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« zurück » Interviews » Rotersand

Rotersand

Seite 1: Wie alles begann



Rotersand
Wir sprachen mit Gunther und Krischan von ROTERSAND über die Bandhistorie, das neue Album "Random Is Resistance" und Zukunftsaussichten. Was es mit Labelschließungen und Wiedereröffnungen, warmen Unterhosen und Leuchttürmen auf sich hat, könnt ihr im folgenden Interview nachlesen.


Hallo Gunther, hallo Krischan! Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt, ein paar Fragen zu ROTERSAND und zu eurem neuesten Werk "Random Is Resistance" zu beantworten.
Für den Fall, dass es da draußen Leute gibt, die euch bis heute noch nicht kennen, stellt euch doch bitte einmal kurz vor und beschreibt eure Rolle innerhalb der Band.


Krischan: Hallo, ich bin Krischan, ich bin mehr oder minder das Studio und mache einen Teil der Technik und auch einen Teil der Musik. Aber das machen wir ja letztlich alle.

Gunther: Hallo, ich bin Gunther und gelte als der Musiker von uns Dreien. Diese Rollen lassen sich aber eigentlich gar nicht so eindeutig definieren. Krischan sagte eben, er sei das Studio, derjenige, der das meiste Produktionshandling macht. Aber es ist durchaus nicht so, dass Krischan der Ingenieur und Tonhandwerker ist, während Rascal und ich Künstler spielen. Wir sind alle drei, zwar mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Vorlieben und Spezialitäten, für die Band tätig, die Rollen und Aufgaben wechseln jedoch permanent. Einmal sitzt der eine am Rechner und eine halbe Stunde später wieder der andere, dann diskutiert der mit dem über inhaltliche Fragen usw.
Es gibt also keine strikten Rollentrennungen, aber Schwerpunkte, die mit unserer jeweiligen musikalischen Vergangenheit und den unterschiedlichen Potenzialen zu tun haben.

Seitdem ihr ROTERSAND aus der Taufe gehoben habt, sind sieben Jahre vergangen. Wie ist damals die Idee zu diesem Projekt entstanden?

Gunther: Ich hatte schon vor Rotersand in diversen Zusammenhängen mit Rascal zu tun. Kennen gelernt haben wir uns, als ich als Teil eines Produzententeams einige Alben mit Rascals damaliger Band produzierte. Jahre später hatte er die Idee, eine gemeinsame Band zu gründen...
Wir fingen ganz klein in einer Home-Studio Ecke an, ein paar Songs zu schreiben. Als wir dann ein paar zusammen hatten, wollten wir die ersten Songs live ausprobieren und hatten auch bald die Gelegenheit dazu, relativ unspektakulär in einem Vorprogramm einer kleinen Tour spielen zu können. Die Tatsache, dass die Leute im Publikum nicht Reißaus nahmen, hat uns dazu verleitet, weiter zu machen.

Krischan ist erst etwas später dazu gekommen. Wie ist der Kontakt zu Gunther und Rascal zustande gekommen?

Krischan: Ich kannte Rascal schon aus den 90ern, als ich noch in Bochum in Technoclubs auflegte. Rascal arbeitete damals in einer Plattenfirma und zwar bei Rough Trade. Er war zu dieser Zeit für den Import von damals total hippen, angesagten Technosachen aus Belgien und England verantwortlich. Entsprechend streunte er dort immer herum und daher kannte ich ihn. Gunther hatte ich zuvor schon einmal ganz kurz in Hamburg getroffen. Ich glaube, das war 1996.
Ende Oktober 2002 rief Rascal bei mir an und meinte "Der Gunther und ich haben hier etwas auf die Beine gestellt, hör dir das doch mal an. Wir spielen in der Zeche Carl." Also ging ich da mehr oder minder unbedarft hin und schaute es mir an. Im Nachhinein habe ich wohl eine Menge "Nörgeliges" von mir gegeben, aber auch gesagt, dass ich die Songs ganz dufte finde. Daraufhin hat man sich mehrfach hier getroffen und hat an gemeinsamen Sachen gewerkelt. Ich glaube, gleich der zweite Song war dann "Merging Oceans" und so bin ich da reingerutscht.

Die Frage nach der Entstehung eures Bandnamens brauchen wir ja nicht mehr zu stellen. Es dürfte mittlerweile jedem bekannt sein, dass ROTERSAND nach einem Leuchtturm an der Nordsee benannt ist. Dazu gibt es auch eine Geschichte, welche ich einmal in einem uralten Interview von euch gelesen habe. Das Bild von diesem Leuchtturm befand sich in Rascals Krankenhauszimmer und wurde von euch als Zeichen betrachtet.

Gunther: Da war niemand Außenstehendes involviert, der gesagt hätte "Ihr müsst das als Zeichen sehen." Wir steckten damals gerade in der Phase, einen Namen zu finden. Rascal gefiel der Name Rotersand recht gut. Ich dagegen war mir da nicht so sicher... Dann kam es zu Rascals Aufenthalt in diesem Krankenhaus und als er nach einer Operation aus der Narkose aufwachte, hing eben das Bild von jenem Leuchtturm an der Wand und es hieß: "Siehst du, wenn jetzt schon das Bild hier hängt, dann ist die Diskussion beendet und wir nehmen diesen Namen."

Ihr seid alle drei keine musikalischen Newcomer gewesen. Jeder von euch hatte vor ROTERSAND in anderen musikalischen Bereichen gearbeitet. Was genau war das?

Krischan: Ich war, wie schon erwähnt, bereits seit Jahren als DJ und Produzent unterwegs. Damals lief das noch anders. Da traf man sich, machte ein wenig Musik und veröffentlichte diese. Das habe ich über Jahre neben dem Studium betrieben und mir ein Studio aufgebaut, in welchem wir heute noch herumwerkeln.

Gunther: Bei mir ist es auch so, wie du richtig bemerkt hast, dass ich schon etwas länger in dem Bereich "Musik" unterwegs bin. Allerdings liegen meine Wurzeln kreuz und quer in allen erdenklichen Musikrichtungen und entsprechend variantenreich ist meine musikalische Vergangenheit. Ich bin also buchstäblich ein Quereinsteiger in den Independent/Alternative-Bereich. Seitdem ich denken kann, bin ich Musiker und somit arbeite ich auch sehr gern am Instrument, das Programmieren ist bei mir eine logische Weiterentwicklung dieser musikalischen Herangehensweise.

Kann man es also so bezeichnen, dass genau diese unterschiedlichen Wurzeln den speziellen Sound von ROTERSAND ausmachen?

Gunther: Es ist für jeden kreativ tätigen Menschen eine große Befriedigung, wenn in seinem Schaffen eine unverwechselbare, persönliche Handschrift wahrgenommen wird. Das können jedoch nur Außenstehende beurteilen. Wenn das also von außen so wahrgenommen wird, dann wird die Mischung der Bandmitglieder mit Sicherheit eine Hauptursache sein.

Ich sehe das definitiv so und wollte nur gerne eine Bestätigung von euch.

Gunther: Wir können nicht beurteilen, wie es nach außen wirkt. Wir bringen einfach nur unser musikalisches Vokabular und unsere Erfahrung mit in die Band ein, eben das, was wir haben. Wenn daraus eine Mischung wird, die im positiven Sinne als etwas Außergewöhnliches gesehen wird, dann ist das erfreulich, aber nichts, was wir im Voraus konstruierten oder angelegt haben.

Kommen wir nun zu eurem neusten Album "Random Is Resistance". Kann man den Titel dieses Albums insbesondere auch zusammen mit den Songtexten als gesellschaftskritische Auflehnung gegen Kontrolle und Überwachung deuten?

Gunther: Es ist nicht so, dass wir "1984" 25 Jahre später spielen wollten. Die eigentliche Thematik des Albums ist, dass wir heutzutage freiwillig einen globalen Apparat zur Informations- und Datenbeschaffung speisen. Es ist ja nicht so, dass wir hierzulande von einem totalitären Regime überwacht würden und uns Informationen abgepresst werden. Wir selbst verbreiten in irgendwelchen Internetforen oder sonstigen Installationen bereitwillig viele Daten über uns, über unser Verhalten, über unsere Vorlieben, unsere Probleme oder was auch immer. Bereits jetzt werden sehr viele dieser Daten von verschiedenen Institutionen und Firmen genutzt, ohne dass wir das verhindern können. Wenn wir feststellen, dass die Grenze von Gebrauch zu Missbrauch fließend ist, ist es für Gegenmaßnahmen zu spät. Daten lassen sich in einer vernetzten und verspeicherten Welt nicht mehr einfangen.

Habt ihr mit diesem Thema schon persönliche Erfahrungen gemacht und sind diese in das Album eingeflossen?

Gunther: Wir wollten das Thema nicht auf einer Ebene der persönlichen Erfahrungen angehen, sondern im Rahmen eines Albums durchaus etwas plakativer vorstellen.

Für "Random" und auch für "Resistance" gibt es ins Deutsche übersetzt verschiedene Bedeutungen. Wie übersetzt ihr für euch diese beiden Wörter?

Gunther: "Resistance" würde ich mit Widerstand übersetzen und "Random" ist für mich "Zufall" oder besser "Unberechenbarkeit", auf deutsch hieße das Album also "Unberechenbarkeit ist Widerstand".
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Foto Galerie


Rotersand - Random Is Resistance

Info

Künstler: Rotersand
Label: Trisol Music Group GmbH
Medienformat: CD, Album
Genre: EBM, Electro
Veröffentlichung: 23.10.2009
Soundcheck: [U] Wertung: 10 von 10
jetzt kaufen

Tracklist

01 Yes We Care
02 Bastards Screaming
03 Waiting To Be Born
04 Speak To Me
05 We Will Kill Them All
06 First Time
07 Beneath The Stars
08 If You Don't Stop It…
09 War On Error
10 A Number And A Name
11 Gothic Paradise
12 A Million Worlds To Lose

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Info

Künstler: Rotersand
Label: Trisol Music Group GmbH
Medienformat: CD, Album
Genre: EBM, Electro
Veröffentlichung: 23.10.2009
Soundcheck: [U] Wertung: 10 von 10
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01 Yes We Care
02 Bastards Screaming
03 Waiting To Be Born
04 Speak To Me
05 We Will Kill Them All
06 First Time
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