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[DE:AD:CIBEL]

Seite 1: German Bass Machine Electro



[DE:AD:CIBEL]
Ihr nennt euch [de:ad:cibel] und benutzt den Slogan “German Bass Machine Electro” für Eure Musik… Das müsst ihr uns näher erklären.

Daniel: Der Slogan soll natürlich auf der einen Seite unsere Musik beschreiben. Aber auf der anderen Seite handelt es sich auch um unseren Spitznamen. Als wir mit [de:ad:cibel] anfingen, verschickten wir unsere ersten Songs innerhalb unseres Freundes- und Bekanntenkreises. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Einer fing dann an uns nur noch mit GERMAN BASS MACHINE anzuschreiben und wie das in Onlinecommunities so ist, sprangen die anderen auf den Zug mit auf. Auf einmal waren wir die GERMAN BASS MACHINE, machen BASS MACHINE ELECTRO und leben in BASS MACHINE CITY. Der Spitzname hat eine Art Eigendynamik entwickelt und hat sich etabliert. Wir mögen den Namen und pflegen ihn auch.

Befindet ihr euch oft in Situationen, in denen ihr eine Wahl zu treffen habt? Also nach dem Prinzip "Sein oder Nichtsein", "Trinken oder nicht trinken" oder "Kaufen oder nicht kaufen"?

Daniel: Das Leben stellt jeden Menschen permanent vor die Wahl "sein oder nicht zu sein". Oder vor die Frage "Wer bin ich und wie viele?". Nicht umsonst ist die Frage philosophisch betrachtet von zeitloser Relevanz. Wir sind auch nur Menschen und müssen täglich Kompromisse eingehen. Ständig switcht man zwischen Job, Familie, Freundeskreis oder auch Band und damit einhergehend schlüpft man natürlich in die jeweilige Rolle, die situationsbedingt von einem erwartet wird – bewusst oder unbewusst. Wenn unter den verschiedenen Rollenbildern allerdings die Persönlichkeit leidet, sollte man einschreiten und Konsequenzen ziehen und sich gegebenenfalls von einer Rolle verabschieden. Beim Musikmachen sind wir kompromisslos. Wir verfolgen eine klare Linie und wollen uns nicht verbiegen lassen. Beim Trinken haben wir auch oft die Wahl. Wir sind allerdings wählerisch beim Wann, wieviel, wo und mit wem? Genauso verhält es sich beim Kaufen. Wir sind keine reichen Menschen und achten sehr darauf, wofür wir Geld ausgeben.

Vor kurzem wurde euer Debütalbum "Klondike" veröffentlicht. Warum habt ihr es mit "Klondike" betitelt?

Daniel: Klondike ist ein Fluss in Nordamerika. Vor längerer Zeit wurde in diesem Fluss Gold gefunden und es brach das sogenannte Goldfieber oder auch Klondikefever aus. Massen von Menschen pilgerten an den Fluss und suchten ihr Glück. Wir fanden den Namen sehr passend für ein Debütalbum. Er steht als Synonym für Aufbruchstimmung oder Neubeginn und hat gleichzeitig etwas Magisches und Tiefgründiges.

[de:ad:cibel] ist im Gegensatz zu eurem alten Projekt "Skorbut" sehr cluborientiert ausgefallen. Ist es eure Absicht, die Tanzflächen der Republik zu erobern? Oder kann der Schwenk eher mit der neuen Personenkonstellation erklärt werden?

[DE:AD:CIBEL]
Daniel: Innerhalb von Skorbut war ich schon immer die treibende Kraft, die für die Portion Tanzbarkeit und Geradlinigkeit sorgte. Jörgs Leidenschaft waren die ruhigeren Klänge, aber auch die verschachtelten und verspielten Elemente in den Liedern. Diese zwei Pole machten den Reiz bei Skorbut aus. [de:ad:cibel] besteht aus Armin und mir. Mit ihm habe ich jetzt jemanden gefunden, der genau wie ich sehr cluborientiert an die Musik herangeht. Wenn wir im Studio nebeneinander sitzen und er an der Musik und den Sounds schraubt, scheint so etwas wie Gedankenübertragung stattzufinden. Aber trotz allem muss festgehalten werden, dass KLONDIKE kein reines Dancefloor-Album geworden ist. Immerhin sind auch ruhige Songs wie "Nobody hurts me like I do" oder "Heteronomy" vertreten. Auch die tanzbaren Songs unterscheiden sich sehr stark untereinander. Wir haben sehr auf Abwechslung geachtet und jeder Song entfaltet seinen eigenen Charakter. Das ist uns sehr wichtig.

Der Song "One of 47" sticht sehr aus dem Album hervor. Worum geht es genau in dem Lied?

Daniel: Der Text zu "One of 47" entstand in relativ kurzer Zeit. Wir saßen im Studio und schraubten an dem Instrumental. Ich hatte sofort die Inspiration Weltall, Raumschiff, Hochgeschwindigkeit – frag mich nicht warum. Der Song lädt einfach zu einer nächtlichen Auto- oder Raumschifffahrt ein ;-). Auf jeden Fall war die Inspiration Weltraum da. Dann kam die Idee, den Titan ins Spiel zu bringen. Der Titan ist der 47. Mond des Saturn. Daher der Name "One of 47". Der Titan dreht in jedem Fall da oben (oder unten – je nach Betrachtung) einsam seine Runden durch die Dunkelheit usw... Man kann ihn auch als schöne Metapher auf die Einsamkeit des Individuums übertragen. Ich bin ein Fan von zweideutigen Texten.

Handelt der Song "Too Tired To Consume" von Dir oder einer anderen Person? Kritisierst Du das Konsumverhalten der heutigen jungen Generation? Hast Du eine Alternative zu Geld?

Daniel: Der Song handelt in gewisser Weise schon von mir. Aber du darfst ihn auch nicht zu ernst nehmen. Er ist im Unterton schon sehr ironisch gemeint und du solltest nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Der Text ist auf die Szene bezogen und ist in erster Linie eine Aufzählung von Dingen, die mich in diesem Moment gerade genervt haben. Natürlich hat der Text dann in zweiter Instanz auch etwas mit Kritik an Konsum- und Medienverhalten zu tun. Aber wie schon gesagt, diese Intention ist eher ein positiver zweitrangiger Nebeneffekt. Alternativen zu Geld habe ich auch nicht. Geld ist das Tauschmittel unserer Zeit. Wie willst du den Tauschhandel zwischen ein paar Milliarden Menschen sonst regulieren? Wenn du das in Frage stellst, dann driftest du unweigerlich in irgendwelche dubiosen sozialrevolutionären links/rechts Theorien ab und lässt dich von Ideologien leiten. In zweiter Instanz stellst du dann die Freiheit des Individuums in Frage. Wie es sich zu kleiden hat, wie es zu denken hat, was es sagen darf oder wie die Kultur (inklusive Musik) auszusehen hat. Damit würde jede Individualität und jede Form der Subkultur in Frage gestellt.

Auf Klondike gibt es mit "Jerusalem Syndrom" und "Selektionsfunktion" zwei deutschsprachige Stücke. Wie läuft die Entscheidung ab, ob ihr jetzt ein Stück auf Deutsch oder Englisch verfasst? Und erkläre bitte worum es in "Selektionsfunktion" geht! Ich kann mir auf den Text keinen Reim machen.

Daniel: Die meisten Texte, die ich schreibe, verfasse ich sofort in Englisch. Es gibt hier keinen Masterplan oder eine strategische Herangehensweise. Ab und an schreibt man eben auch mal ein Stück in Deutsch. Also es kann auch gut sein, dass ich beim nächsten Album gar keine Ideen zu deutschen Texten habe, dann wird das nächste Album eben komplett auf Englisch verfasst. Wir arbeiten diesbezüglich nicht mit Selbstauflagen und sind hier spontan.
Das Wort "Selektionsfunktion" lief mir während meines Studiums über den Weg und wurde von mir sofort zum Unwort des Jahres gekürt. Ich bin ja bekanntlich auf dem Weg Lehrer zu werden ;-) und in höheren Semestern muss man sich mit den Funktionen von Schule beschäftigen. Jetzt wird's heavy ;-) – also: Schule hat erstens Qualifikationsfunktion und Sozialisationsfunktion. Qualifikation dürfte ja jedem klar sein. Damit sind das Erlernen der elementaren Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Kommunizieren usw. gemeint. Damit einhergehend wird man natürlich auch sozialisiert. So weit so gut, aber dann kamen eben auch Selektionsfunktion und Allokationsfunktion hinzu. Ich erspare dir an dieser Stelle mal die ganzen Definitionen. Es läuft alles darauf hinaus, dass die Schule den Auftrag hat, die Kinder leistungsspezifisch zu selektieren, ihnen den Platz im System zuzuweisen und somit unsere Gesellschaftsstruktur zu reproduzieren. Ich fand es sehr erschreckend, dass einem dies so unkommentiert in den Vorlesungen serviert wird. Ich finde schon das Vokabular ziemlich erschreckend. Und so hab ich das gleich mal in einem Text verarbeitet. Wen das Thema noch näher interessiert, der kann es ja googeln: Schule – Selektionsfunktion usw... ist auf jeden Fall interessant. Schule als "Selektionsfunktion" ist aber kein rein deutsches Phänomen. Egal in welchem System du dich befindest kommt der Schule diese Funktion zu. Die Basis eines jeden Systems wird also in der Schule gelegt. Also um noch klarer zu werden, Nordkorea oder China reproduzieren ihr System über die Schule genauso wie Deutschland, USA, Chile oder was weiß ich... Was ich damit sagen will ist, dass es schlechtere Systeme als das unsere gibt. Aber dieses Bewusstsein dafür zu bekommen, fand ich schon sehr erschreckend. Rein formell reproduziere ich das System... Damit muss man erst mal klarkommen.

Aha. Na gut. Themawechsel. Gibt es bezüglich der Arbeitsweisen Unterschiede zwischen [de:ad:cibel] und Skorbut? Mir kommt es so vor, als wenn Ihr bei [de:ad:cibel] mehr Software-PlugIn Sounds und weniger Hardware-Synths benutzt?

Daniel: Skorbut und [de:ad:cibel] nutzen elektronische Klangerzeuger. Von daher gibt es im Studioprozess natürlich Parallelen. Armin hat genauso viele Hardware-Synths wie Jörg und benutzt diese natürlich auch. Du hörst sie auch auf KLONDIKE. Ob das Verhältnis zwischen Hard- und Softwareeinsatz jetzt 30:70, 50:50 oder 60:40 beträgt, kann ich dir nicht sagen. Ich habe einfach nicht darauf geachtet und führe diesbezüglich auch keine Strichliste. Wir sind, egal ob bei Skorbut oder [de:ad:cibel], sehr darauf bedacht, Hardware-Synths zum Einsatz kommen zu lassen. Erst das gibt dem Sound eine spezielle Note. In Zeiten, in denen anscheinend jeder nur noch mit Plug-In-PreSet-Sounds arbeitet, ist diese Herangehensweise extrem wichtig, um dem Sound oder der Band eine eigene Note zu verpassen.

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[de:ad:cibel] - Klondike

Info

Künstler: [de:ad:cibel]
Label: Echozone
Medienformat: CD, Album
Genre: EBM, Electro
Veröffentlichung: 01.10.2010
Soundcheck: [U] Wertung: 7 von 10
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Tracklist

01 Hotel Lux (Intro)
02 Jerusalem Syndrom
03 One of 47
04 Selektionsfunktion
05 B.I.I.D
06 Nobody hurts me like I do
07 Too tired to consume
08 Architecture
09 Between my headphones
10 Heteronomy
11 Monster Train
12 Geteert und gefedert
13 Human product

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