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« zurück » Interviews » Elias Matt und Leo von Leibnitz im etwas außergewöhnlichen Gespräch

Elias Matt und Leo von Leibnitz im etwas außergewöhnlichen Gespräch

Seite 1: Von Kraftwerk über Schafe bis hin zum Alphatier



Elias Matt und Leo von Leibnitz im etwas außergewöhnlichen Gespräch
Leo führte ein sehr schräges Interview mit Elias Matt. Er nahm den Singer / Songwriter mal so richtig ins Kreuzverhör! Der Gesprächsstoff reichte von Kraftwerk über Schafe und Schafhirten auf Femarn bis hin zu Karl Eduard von Schnitzler und Alphasyndrome sowie über exzentrische Pluralitäten. Es wurde sich auch mal belegt, jedoch blieb Mann stets bei der Förmlichkeit! Aber lest selbst:

LvL: Herr Matt, ich danke Ihnen für die Möglichkeit, dieses Interview hier auf Schloss Goseck anlässlich der Album-Premiere des ersten Werkes von Elias Matt & (the) Rescue Mission durchzuführen. Ich habe gelesen, dass die Idee für dieses Projekt zustande kam durch die Begegnung mit den Kraftwerk-Legenden Ralf Hütter und Florian Schneider am Rheinufer zu Düsseldorf. Was können Sie denn darüber berichten?

EM: Schafe. Viele, viele Schafe am Rheinufer in Düsseldorf. Und wir haben koffeinhaltige Getränke zu uns genommen - ordinären Kaffee sag ich mal - und Zigaretten geraucht und auf High-Tech-Rädern fuhren Florian Schneider und Ralf Hütter an uns vorbei. ...

LvL: Wie Sie mir berichtet haben, wurden für dieses Projekt ausschließlich Synthesizer mit dem Baujahr vor dem Jahr 1984 verwendet. Warum? Und hat das direkt eine Ursache in dem Treffen mit den Kollegen von Kraftwerk?

EM: Also, die Herren von Kraftwerk mögen das so gar nicht, wenn man sich ihrer auf so billige Weise bedient, deswegen will ich da gar nicht weiter darauf eingehen. Aber wir haben am Ende einen der ersten Klanggeneratoren, die Kraftwerk für ihre ersten Werke benutzt haben, bekommen und diesen verwendet. Später ergab sich, dass wir doch ein sehr enges Verhältnis zu diesen analogen Synthesizern aufgebaut haben und haben festgestellt, dass ab 1984 keine Klanggeneratoren gebaut wurden, die uns in irgendeiner Weise die Befriedigung gaben, die wir wünschen.

LvL: Ich habe auch in der Informationsbroschüre gelesen, dass diverse Schrottteile, Regenrohre und sogar Ziegelsteine durch den Schlagzeuger Burchard Gonko verwendet wurden.

EM: Schrott zu verwenden, um darauf herum zu trommeln, ist keine Erfindung von uns. Aber wir wollten das in dieser alten Form wieder haben. Wir haben Ziegelsteine benutzt, verrostete Schrottteile, Werkzeuge.

LvL: Ich habe auch in Erfahrung gebracht, dass sie sich innerhalb Ihrer Band "Elias Matt & (the) Rescue Mission" siezen. Welche Bewandtnis hat es damit?

EM: Ich habe von vornherein eine klare Vorstellung von diesem Projekt gehabt und wollte eine Arbeit, die von einer gewissen Disziplin geprägt ist. Ich habe die drei Mitmusiker eingeladen an diesem Projekt mitzuwirken, habe ihnen die Struktur erklärt und es gab die einfache Option bei diesem erbaulichen und unterhaltsamen und auch mit Geist versehenen Werk mitzuwirken oder schlicht einfach weiter Heulsusen-Folk auf Kleinkunstbühnen zu spielen. Dazu gehört auch, dass wir eine disziplinierte Struktur wollten und deswegen wünsche ich, dass wir uns bei unserer Arbeit siezen, weil das unsere Arbeit in meinen Augen positiv beeinflusst. Meine Kollegen sind damit einverstanden, es funktioniert sehr gut.

LvL: Dann sollten wir vielleicht einmal umschwenken auf das Album, was heute hier der Öffentlichkeit in einem kleinen erlesenen Kreis präsentiert wurde. Das Album heißt "Achtung! Alpha" - meine Recherchen dazu endeten irgendwie in der Psychiatrie.

EM: Das tut mir leid, Herr von Leibniz. Ich hoffe, es ist gut ausgegangen.

LvL: Ich denke schon. Sonst würde ich hier nicht sitzen. Meine Frage zielt jetzt eher auf die Grundidee von "Achtung! Alpha" ab.

EM: Es ist in der Tat so, dass ich Erfahrungen mit der Psychiatrie habe und dort Einblicke in zerstörte Seelen bekommen habe. Dieses Alpha-Thema ist mir dann entgegen gesprungen, weil meine Analyse ergab, dass diese Menschen sehr zerrüttete Wesen sind. Es gibt zwei Richtungen, in die sich Menschen entwickeln, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlen. Zum einen können sie in Apathie versinken, in Depression oder es passiert genau das Gegenteil - sie neigen dazu, hoch-extrovertiert zu werden, Menschen zu manipulieren, zu beeinflussen und schlicht gefährlich zu werden. Das ist das Thema von "Achtung! Alpha".

LvL: Ich habe vor diesem Interview die Zeit genutzt, mich mit einigen Zuhörern, die geladen wurden, zu unterhalten und habe da mit dem sicherlich bekannten Kritiker Karl Eduard von Schnitzler gesprochen, der über "Achtung! Alpha" berichtete, ich zitiere: "Es ist eine essenzielle Betrachtung eines italienischen Nudelsalates in einem rumänischen Wasserklosett." Was können Sie dazu kommentieren?

EM: Ich bezweifle, dass Karl Eduard von Schnitzler in irgendeiner Art und Weise sich zu unserem Album äußern konnte. Ich weiß, dass ich in jungen Jahren dem alten Herrn persönlichst das Krankenbett aufgestellt habe. Ich dachte, es ist sein Sterbebett, aber er lebte dann doch noch ein paar Jahre. Ich weiß nicht, wo die Informationen herkommen. Mich würde interessieren, wer das wirklich gesagt hat. Ansonsten berührt mich der Inhalt in keiner Weise.

LvL: Welche Vorbilder haben Sie denn persönlich als Musiker, Schauspieler, vielleicht auch Vorbilder im Hinblick auf Diktatoren?

EM: Diktatoren gehören mit Sicherheit nicht in meinen Idolkreis. Das verbietet mir die Intelligenz und meine Sensibilität gegenüber Menschen. Geprägt bin ich eigentlich von Klassik. Ich bin in meinen Teenager-Jahren auf ein Internat gekommen, auf ein Eliteinternat. Wir haben dort Klavierspielen gelernt und es herrschten dort noch sehr klassische Situationen, autoritäre Situationen. Ich bin eigentlich mit Chopin aufgewachsen und Erik Satie und das habe ich stark in mir drin. Erst später kam dann Denny zu mir und hat mir Platten von Kraftwerk und neuere Werke der Popularmusikkultur nahegebracht und daraus haben sich natürlich einige Vorbilder entwickelt: Kraftwerk, Cabaret Voltaire, viele Leute aus der Post-Punk-Ära.

LvL: Herr Matt, aufgrund seiner bibliografischen Nähe des Werkes "Achtung! Alpha" zu dem Wörterbuch für griechische Schafhirten auf Fehmarn mit dem Titel "Achtung! Alpha Schafhirte" wird dieses häufig miss-interpretiert und wie gehen Sie mit diesem Problem um?

EM: Ich kenne dieses Werk nicht. Ich bin dankbar, darauf aufmerksam gemacht zu werden. Ich werde es auch lesen und schauen, ob es eine Bewandtnis hat. Aber wir haben relativ wenig Berührung mit solchen Vergleichen und Verbindungen.

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Elias Matt & (the) Rescue Mission - Achtung! Alpha

Info

Künstler: Elias Matt & (the) Rescue Mission
Label: Wannsee Records
Medienformat: CD, Album
Genre: Electro, Synth-pop
Veröffentlichung: 11.02.2011
Soundcheck: [U] Wertung: 8 von 10
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Tracklist

01 Achtung! (Try to stay healthy …)
02 No, No, No!
03 Too Young For The Big Sleep
04 Universal Healing
05 Stand Up When They Beat The Drum
06 European Decadence Express
07 European Decadence
08 Chocolate Cloud
09 Things You Shouldn't Think About
10 Keep Me Back From Fire
11 Reach Out
12 There's A Light That Never Goes Out 

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