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« zurück » Interviews » Kurztalk mit Chainreactor

Kurztalk mit Chainreactor

Seite 1: Vom ersten und vom zweiten Streich



Kurztalk mit Chainreactor
Hallo Jens! Schön, mal wieder mit dir ein Interview führen zu können. Das letzte liegt knapp zwei Jahre zurück und wurde anlässlich deines Debütalbums "X-TINCTION" geführt. Wie waren denn so die Reaktionen auf deinen ersten Streich?

Jens: Tja, da gingen die Meinungen etwas auseinander. Ich hab eine Menge sehr positives Feedback bekommen, aber auch einiges an Negativem. Das war aber vor allem von Leuten, die mit meiner Nähe zum harten Techno ein Problem hatten. Aber vor allem international betrachtet waren die Reaktionen schon sehr positiv.

Mit "INSOMNIAC" stellst du uns nun deinen zweiten Silberling in die Regale. Wie sehen für dich selbst die Weiterentwicklung und Unterschiede zum ersten Album aus?

Jens: "Insomniac" ist vielschichtiger als "X-tinction" Es ist einerseits ein sehr persönliches und düsteres Album, aber andererseits scheppert es auch wieder ordentlich. Vom Sound her insgesamt hat es aber auch eine Weiterentwicklung gegeben.

Du schreitest mit CHAINREACTOR als Solokünstler durch die Musiklandschaft. Hast du dir schon mal überlegt, Verstärkung ins Boot zu holen oder wirst du musikalisch gesehen immer "Single" bleiben?

Jens: Was den rein musikalischen Aspekt betrifft, ist Chainreactor als Soloprojekt konzipiert und wird es auch bleiben. Für Live-Auftritte hol ich mir aber immer Unterstützung.

Wie würdest du selbst deinen Sound beschreiben?

Jens: Hart, düster und treibend. - Restless music for restless minds!

Okay, let’s talk about "INSOMNIAC"......
Der Titel steht wofür?


Jens: Ein "Insomniac" ist jemand, der unter Insomnie (Schlafstörungen) leidet. In dem Fall ich selber. Mit dem Album hab ich versucht, diese Erfahrung zu verarbeiten, da das gerade in der Phase der Entstehung des Album ein großes Problem war. Ich wollte dieses Gefühl der Ruhelosigkeit, der Verzweiflung und der Druck, den man sich selber macht, und auch die immer gleichen Gedanken, die einem durch den Kopf gehen, in die Musik transportieren. Jemand, der schonmal Probleme damit hatte, kann das wahrscheinlich sehr gut nachfühlen.

Auf dem Album überraschst du mit gleich 16 Stücken. Wow! Um genauer zu sein, sind es 12 Eigenkrationen und vier Remixe. Wie kam der Kontakt zu den Remixern (INCUBITE, [X]-RX, XOTOX, [ORGANIC CAGE] zustande?

Jens: Man kennt sich halt unter Musikern, man tauscht sich schon mal aus und man fragt halt nach Remixen. Ein ganz normaler Vorgang vor allem in der elektronischen Musik.

Und wie zufrieden bist du mit den Remixen?

Jens: Wenn ich mit den Remixen nicht zufrieden wäre, hätte ich sie nicht mit aufs Album genommen.

Wie war es für dich, deinen Sound, deine Rezeptur in anderen Gewändern zu hören?

Jens: Es ist immer interessant zu hören, wie andere Musiker das eigene Stück interpretieren. Der eine behält die Grundstrukturen bei, der andere bastelt eine völlig neue Melodie und der nächste baut fast einen komplett neuen Track. Aber alle Remixe haben definitiv ihren Reiz.

Gab es noch mehr Remixe?

Jens: Es gab noch andere Mixe, aber die waren fast alle von mir. Bei manchen Stücken habe ich echt lange gebraucht, bis ich sie auch für gut genug befunden habe. Manche Stücke haben es sogar gar nicht aufs Album geschafft, obwohl ich 4-5 Versionen davon hatte. ;)

Wenn ja, was passiert mit dem Rest?

Jens: Mit den meisten wird wahrscheinlich nicht mehr viel passieren. Aber es gibt 2 oder 3 Stücke, die ich zu schade finde, um sie zu vergessen. Entweder werden sie für ein eventuelles nächstes Album nochmal aufgegriffen oder landen vielleicht mal auf irgendwelchen Samplern.. mal gucken.

Lass uns nun mal ein paar Somgs von "INSOMNIAC" herausgreifen und darüber philosophieren....

Jens: Gerne!

Was ist für dich "Der Wahre Alptraum"?

Jens: Tja, mittlerweile leider bittere Realität, wenn man sich die Ereignisse in Japan ansieht. Der Track war eigentlich mal meine Reaktion auf die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke in Deutschland. Diese wurde ja mittlerweile wieder ausgesetzt aufgrund der Katastrophe in Fokushima. Aber es ist bitter zu sehen, dass immer erst was Furchtbares passieren muss, bevor unsere Politiker mal den Kopf einschalten.

"Pressure & Pain" – ein schönes Wortspiel! Das Stück geht auch mit vollem Druck durch und durch. Erzähl mal ein bisschen was zu dem Teil, bitte.

Jens: Genau das soll es auch. Drücken bis an die Schmerzgrenze. Es soll aber bedeuten, dass man immer erst etwas investieren muss bevor man etwas bekommt. Auch für ein Stück wie "Pressure & Pain" muss man hart arbeiten, bis es so klingt wie es klingt.

Warum wurde das Album ausgerechnet nach dem Stück "Insomniac" benannt?

Jens: Die Frage hab ich ja oben schon beantwortet. :)

Eine Dystopie ist eine Geschichte, die in einer fiktiven Gesellschaft spielt, welche sich zum Negativen entwickelt hat.... Was genau möchtest du der Hörerschaft mit dem Song "Dystopia" vermitteln?

Jens: "Dystopia" ist das Gegenteil von "Utopia". Also ein Ort oder ein Land, in dem man nicht gerne leben würde. Für mich persönlich ist "Dystopia" ein Ort in meinem Kopf, an den ich nicht gerne denke, da man von dort nur sehr schwer weg kommt.

Was ist eigentlich zuerst da: Die Samples oder der Sound?

Jens: Das ist völlig unterschiedlich bei jedem Stück. Manchmal höre ich ein Sample und weiß direkt, das bau ich ein! Manchmal hab ich einen fast fertigen Track und suche wochenlang nach dem passenden Sample. Manchmal merke ich aber auch, dass ein bestimmtes Sample vielleicht viel besser zu einem anderen Stück passt. Also es gibt da kein Schema F.

Wie schaut es aus mit richtig echtem Gesang? Hast du darüber überhaupt schon mal nachgedacht?

Jens: Klar. Aber Chainreactor ist ja in erster Linie Clubfutter, da ist Gesang ja nicht zwingend notwendig. Vielleicht werde ich mir in Zukunft mal eine Gastsängerin bzw. einen Gastsänger an Bord holen.

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Chainreactor - Insomniac

Info

Künstler: Chainreactor
Label: ProNoize
Medienformat: CD, Album
Genre: Electro, Industrial
Veröffentlichung: 01.04.2011
Soundcheck: [U] Wertung: 7 von 10
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Tracklist

01. Genau hier! Genau jetzt! ( Intro )
02. Störgeräusche
03. Der wahre Alptraum
04. Steigleitung trocken
05. Locked in
06. Pressure & Pain
07. The missing piece
08. Insomniac
09. Misanthrop
10. Dystopia
11. Control
12. Delusion
13. Dystopia ( Vanquished by Incubite )
14. Pressure & Pain ( [X]-Rx Remix )
15. Misanthrop ( Isolated by Xotox )
16. Dystopia ( Suicide Remix by [Organic Cage] )

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