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« zurück » Audiography » Portion Control

Portion Control

Daten

Gründungsjahr: 1980
Gründungsland: England
Bandmember: Dean Piavani, John Whybrew

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Bandinfo

Portion Control sind eine Britische Electro-Industrial-Band, die im Jahre 1980 in London gegründet wurde. Die Band nennt ihren Musikstil Electropunk oder Hard Rhythmic Electronics. Sie sind einer der bekanntesten wirklichen Underground-Elektronikacts der Welt und wurden bereits von Größen wir Depeche Mode, Skinny Puppy, Front Line Assembly, Nine Inch Nails und Orbital als Einfluß benannt und verehrt.
Nachdem sie im Jahr 2004 mit „Wellcome“ eine stylische Rückkehr in die Underground-Musikwelt gefeiert hatten, liefern Portion Control nun eine Retrospektive in einem CD-Set für Sammler an. Wir finden in ihr 5 Cds, die den riesigen Vinyl-Backcatalog und Extras umfaßt – und dies erstmalig im Digitalformat. Das Material beinhaltet die frühen Alben der Band und die EP’s, aufgeteilt auf 4 Cds, und eine Limited Edition Bonus-CD mit hochauflösenden MP3 aller vier Discs plus einem Remix des Stückes „Refugee Rebuild“ von Rhys Fulber. Und dazu noch 135 aktuelle und alte Bilder der Band.
Disc1 bringt uns zurück in das Jahr 1982 zum Album „I staggered mentally“ und der beigefügten EP „Hit the Pulse“, die im Folgejahr erschien. Das ist eine Grobvorlage für viele Industrialbands gewesen, die dadurch beeinflußt wurden und es bis zu einem gewissen Grad kopierten – vor allem zwei der erfolgreichsten und originellsten Protagonisten der Szene: Front Line Assembly und Skinny Puppy. Aber auch die die härter rhythmisierten Stücke von Depeche Mode.
„I staggered mentally“ ist ein rohes elektronisches Album, wie man es selten ähnlich finden wird. Es ist zentriert um die aggressive Stimme Dean Piavanis, die in eine urban-industrielle Klangkulisse aus schepperndem Metal, Flächen, einfachn Beats und befremdlichen Analoggefrickel eingebettet ist. Es wird auch als das erste Album bezeichnet, in dem die legendäre TB-303-Roland Basslinie benutzt wurde.
Auf der EP „Hit the Pulse“ wird der Sound von Portion Control weiter verfeinert und anspruchsvoller, obwohl er immer noch der damaligen Zeit weit voraus war. Dies brachte der Band auch erste Akzeptanz bei Musikkritikern. Stücke wir „Thrust Angel“ zeigte Innovation trotz ihrer primitiven Sampling- und Sequencingmethoden. Die Musik wurde viel mehr von klaren Beats und Basslinien geprägt, obwohl die harten Rhythmusbrüche von Abbadabbo der Musik noch immer eine Note musikalischen Masochismus’ verleihten.
Disc2, „Code002“, beinhaltet Portion Controls letzte Alben der 80er vor ihrer längeren Auszeit: „Step forward“ (1984) und „Psycho-Bod Saves The World“ (1986). Das sind die Werke bei denen Portion Control sich auf dem Höhepunkt ihres Schaffens bewegten – ein Verschmelzung reiner Industrialmusik, die in Songs und nicht in Atmosphären gegossen wurde; dazu Marschrhythmik und melodische Passagen. Darüberhinaus finden sich hier Klassiker wie „Havoc Man“ mit seinen kantigen Sequencerbasslinien und New-Order-ähnlichen Synthie-Sounds. Paviani ist gesanglich hier ebenfalls in Topform. Es gibt aber auch eine Reihe aufregender instrumentaler Atmosphären, die man Eno-esque bezeichnen könnte. Der Song „Tex Mex“ ist ein weiteres Highlight am eher melodischen Ende des Ausdrucksspektrums, an dem man ganz klar die Leichtigkeit aber auch die Versuchung erkennen kann, der Portion Control hätte erliegen können, eher in den Synthpop-Mainstream a la Depeche Mode zu wechseln. Man erkennt, was letztere in ihren Sound assimiliert haben.
Auf „Psycho-Bod saves the world“ kann man ganz klar den Einfluß Portion Controls auf Front Line Assembly erkennen – mit alptraumartigen, überlagerten Filmsamples und Klangteppichen. Das Album umfaßt Live-Drumming und ein eher fließendes Songwriting, die Basslinien hämmern vorwärts und man entfernt sich immer weiter vorn dem statischen, motorisch-roboterhaften Schaffen der Vorjahre. „Fistful of Creds“ mit seinen Tribal-Rhythmen und Sirenen Sounds in ein beredtes Beispiel dafür.
Code003 beinhaltet die 1986er EP „Purge“ und das Compilation-Album „Simulate Sensual“ aus dem Jahr 1983. Mit dem verfeinerten und strafferen Sound auf „Purge“ betraten Portion Control erstmal die Arena des alternativen kommerziellen Mainstreams, vor allem bestechend durch Pavianis tiefere Stimme und hochgetunten Melodieläufen, wie sie auf „Raise The Pulse“ und „The Great Divide“ zu hören sind.
Letztlich beinhaltet die vierte Scheibe der Kollektion die Eps „Surface and be seen“ (1982) und „Raise the Pulse“ (1982), „Rough Justice“ und „Go talk“ (1984), sowie „The Great Divide“ (1985). Sie geht zurück zu den experimentellsten und fragmentarischsten Ausschnitten der Band. Unter Kritikern hoch angesehen, führt es dennoch weit weg von den alltäglichen Synthiesoundmatsch der damaligen Zeit – und ist schwere Kost.
Portion Control sind vielbeschäftigt momentan, und viele mögen denken – besser als jemals zuvor. Aber die Box geht darüber hinaus ein Sammlerstück zu sein, sondern es zeichnet auch den historischen Weg des Industrialgenres und anderer elektronischer Musikstile nach. Allein deshalb ist es ein Schüsselwerk, gut verpackt und zusammengestellt. Dennoch ist das Material zugegebenermaßen schwer verdaulich.
1987 wurden Portion Control von London Records gesignt und verschwanden prompt. Sie reformierten sich ein paar Jähre später als Solar Enemy für die Jahre 1990 bis 1993. Bis 2002 waren sie von der Bildfläche verschwunden, bis die Fanseite 319 vermeldete, daß die Band die Arbeiten wieder aufgenommen hatte. Kurze Zeit später erschien ein rarer Remix eines alten Tracks als Teil einer Downloadsoftware und Samples von neuem Material. Bis 2004 dauerte es jedoch, bis das hochgelobte Album „Wellcome“ (inspiriert durch die Arbeiten von Sir Henry Wellcome) erschien. Die neuesten Veröffentlichungen stehen ganz in der Tradition von Portion Control, keine Kompromisse einzugehen.
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