Kontrast - Vision und Tradition
Kontrast kann man wohl als eine nicht alltägliche oder gewöhnliche Erscheinung auf der Landkarte der Musik bezeichnen. Zum Einen heben sie sich zweifelsohne vom Einheitsbrei ab, zum anderen kennt sie irgendwie jeder, aber doch weiß keiner wer es wirklich ist. Anders ausgedrückt: Der Tanzflächenfüller „Einheitsschritt“ von der 2002er Platte „Programm“ ist wohl den meisten bekannt, die ab und zu mal in einem einschlägigen Tanztempel unterwegs waren. Nun hatte ich immer den Eindruck, dass Kontrast immer auf diesen Titel reduziert wurden. Und unter anderem wird genau dieser Sachverhalt in dem Track „Durchbruch“ fulminant-ironisch und in bester Lyrik in Szene gesetzt.
Und der lyrische Aspekt ist genau das, was Kontrast so besonders macht. Texter und Sänger Roberto versteht es in einer frisch-ironischen, bisweilen sarkastischen Weise, aber trotzdem leicht verständlich und in bildreicher Sprache die Inhalte der Musik zu Gehör zu bringen. Man denkt sich bei vielen Texten, dass es doch nicht so schwer sein kann, solche Texte zu verfassen, so eindringlich und manchmal so einfach strukturiert sind die Reime und Worte. Aber genau das ist es nicht und das macht diese Kunst aus: So viel Botschaft mit den genau passenden Worten zu vermitteln. Von der Huldigung besserer Zeiten in „80er Jahre“ oder „Vision und Tradition“ über die Verarbeitung von Trennungsschmerz in „Für immer vorbei“ (ein absolute brilliantes Stück Electro-Pop) bis hin zur Gesellschaftskritik mit „Deutsches Land“: Kontrast zeigen sich immer auf höchstem und anspruchsvollstem Niveau und das unglaublich facettenreich.
Musikalisch bewegt sich „Vision und Tradition“ überwiegend auf Mid-Tempo-Level mit der Tendenz zu ruhigeren Klängen. Richtig tanzbar zeigen sich lediglich „80er Jahre“, „Durchbruch“ und „Lichtbildkunst“, welches jedem Welle:Erdball-Freund zusagen sollte. Nach diesen drei Titeln bleibt das Album eher ruhig und melancholisch-nachdenklich. Die Titel sind zwar alle für sich sehr gelungen und überzeugen mit Geist und Eingängigkeit, aber über die gesamte Länge des Albums hätte ich mir doch etwas mehr Druck und Antrieb gewünscht. Einen unerwarteten Überraschungseffekt stellt definitiv „Dunkle Gestalten“ dar: der „härteste“, weil experimentellste und industrial-lastigste Song des Albums!
Insgesamt ist der Hörer mit hervorragenden Texten, jeder Menge Abwechslung und solider Electro-Pop-Kost bestens bedient. Das einzige, was noch ausbaufähig ist, sind ein paar mehr Up-Tempo-Nummern über den gesamten Verlauf, um auch das Tanzbein mehr fordern zu können!
Trotz alledem sollte dem in „Durchbruch“ geäußerten Wunsch nach mehr verkauften Tonträgern und mehr Ruhm nichts im Wege stehen, denn mit „Vision und Tradition“ haben Kontrast ein tolles Album geschaffen, was eine Kaufempfehlung für alle darstellt, die anspruchsvollen Electro-Pop schätzen.
Veröffentlichungstermin: 24.10.2008
Label: Danse Macabre
Genre: Electro-Pop
[U]-Wertung:
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Tracklist:
01. 80er Jahre
02. Durchbruch
03. Lichtbildkunst
04. Was ist das Ziel?
05. Kosmonautenmelodie
06. Für immer vorbei
07. Vision und Tradition
08. Deutsches Land
09. Oranienburg
10. Dunkle Gestalten
11. Moogland
12. Nebelschwaden
13. Der Prophet
14. Im Ätherwellenstudio
Links zum Thema
CD, Album: Kontrast - Vision und Tradition
Details
CD, Album | Preis: 13,45 € | Veröffentlichung: 24.10.2008
Künstler: Kontrast
Label: Danse Macabre Records
Genre: Electro
Kontrast – Vision und Tradition
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