Jabberwock - Sweet Limbo
Veröffentlichungstermin: 05.12.08
Label: Black Rain
Genre: Electroclash
[U] -Wertung:
[Schwarzer Tau am 17.01.2009 ]
Leserwertung:
Bei (insbesondere elektronischer) Musik aus Frankreich liegen Genialität und ein gesunder Spritzer Wahnsinn oftmals nicht weit auseinander. Man denke an den ästhetischen Anspruch von Die Form oder die minimalistisch-angepunkte Attitüde von Vive Le Fete. Diese Liga "elitär"-elektronischer Musik wird bereichert durch das Projekt Jabberwock, welches bereits seit fünf Jahren umtriebig im französischen Düster-Untergrund seine Kreise zieht.
Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen... so suggeriert das comic-hafte Coverartwork und korrespondiert mit den bisweilen zynisch-augenzwinkernden Texten über das Elend des menschlichen Daseins in einer Gesellschaft ohne Halt. So kann konstatiert werden, dass Sängerin Lena sowie ihre Mitstreiter Corrado (Synths), Xavier (Bass) und Machines (Beats) durchaus mit offenen Augen durch´s Leben gehen, auch wenn sie auf den Promofotos sämtlichst braune Papiertüten über dem Kopf tragen. Hat ein wenig was von Spongebob.
Das aktuelle zweite Album "Sweet Limbo" ist auf angenehme Art und Weise vielschichtig und abwechslungsreich geraten. Im weitesten Sinne mag man diesen Output als Elektro-Punk bezeichnen. Elektronische Sounds zusammen
durch den Verzerrer gezogenen Gitarren prägen das Antlitz dieser gelungenen Scheibe. Sängerin Lena steuert ihre variable Stimme bei und gibt das Tempo und die Richtung vor: Mal aggressiv und (dezent) vocoder-verstimmt, mal verletzlich-mädchenhaft und clean oder selbstbewusst und ausdrucksstark im Stile von Siouxsie Sioux. Dabei sind nicht nur die stimmlichen Künste der Fronterin sehr vielschichtig geraten. Das Album überrascht an allen Ecken und Kanten: Besagter Electroclash mit treibenden Beats und Rotz-Gitarren nebst schwebende Keyboardflächen sind die Zutaten zu diesem schmackhaften Gericht. Auch in der Zeitmaschine mag sich manchmal wähnen: Einige Tracks haben eine so starke Post-Wave-Punk-Duftnote ("Faith"), dass man genüsslich mehr davon erschnuppern möchte. Dominant auf dieser Scheibe sind allerdings Tracks wie "Brain Bondage" oder "Faster", die aggressiv nach vorne treten und alles treffen, was nicht rechtzeitig den Unterleib einzieht.
Ein besonderes Schmankerl ist übrigens der im Original schon recht betuliche 70er-Jahre-Disco-Klassiker "Le Freak" von Chic, der hier modern aufgemotzt sicherlich das Zeug hat, erneut die Tanzflächen Europas zu erobern.
Das alles klingt beim ersten Hördurchgang etwas wirr. Aber wenn man etwas Geduld aufbringt und der Scheibe einige Hördurchgänge schenkt, entfaltet sich ein umtriebig-innovativer Klangkosmos, der einfach Laune macht. Stagnation? Dafür sind andere im Elektro-Bereich zuständig. Jabberwock zeigen, dass es auch in diesem Segment noch genug unbestellte Äcker gibt.
Tracklist:
01. Confusion
02. Fake
03. Faster
04. Obsolete
05. Clean
06. Brain Bondage
07. Faith
08. Repeat
09. Illusions
10. Replay
11. Safe
12. Ignorants
13. Le Freak
14. Chicken
weiterführende Links
Link: Jabberwock
Link: Black Rain Records
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