[tabby title=”Kritik”]

Ein Amateurvideo von einer Abschiedsparty im Penthouse eines New Yorker Hochhauses, plötzlich einsetzende Panik nach einer gewaltigen Explosion in der Ferne, herum fliegende Trümmerteile und keine Erklärung was das Ganze zu bedeuten hat. Nur der Schriftzug am Ende mit dem Datum „01-18-08“ gab einen vagen Hinweis darauf, dass es sich hierbei um einen Trailer handeln könnte. Da weiter nichts bekannt gegeben wurde, blühten im Netz die Spekulationen und machten das Video zu einem viralen Hit. Erst nach und nach wurden die nötigen Informationen bekannt. Das Spiel mit der Angst nach 09/11 und das geheime Bedürfnis eine solche Katastrophe hautnah, aber doch gleichzeitig geschützt im Kinosessel, miterleben zu dürfen, machten „Cloverfield“ schließlich zu einem weltweiten Erfolg und katapultierte Produzent J.J.Abrams in die erste Liga Hollywoods.

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Nun hat der große Geheimniskrämer wieder zugeschlagen und präsentierte Anfang des Jahres völlig überraschend das Sequel „10 Cloverfield Lane“. Anders als im Vorgänger setzt man nun weniger auf spektakulär zusammenbrechende Wolkenkratzer und wacklige Handkamera-Aufnahmen, dafür mehr auf Klaustrophobie und ausführliche Charakterentwicklung. Da es sich auch hier wie beim Vorgänger empfiehlt, möglichst wenig über die eigentliche Handlung zu wissen um etwaige Wendungen nicht schon im Ansatz vorausahnen zu können, gehe ich auch nur ganz kurz darauf ein. Die junge Michelle ( Mary Elisabeth Winstead ) trennt sich von ihrem Freund und fährt betrunken und voller Herzschmerz auf einer Landstraße von New Orleans raus aufs Land als sie plötzlich von der Straße abkommt und sich mehrfach überschlägt. Wieder bei Bewusstsein findet sie sich in angekettet und eingesperrt im leeren Kellerraum eines Bunkers wieder. Der zwielichtige Howard Stambler ( John Goodman ) gibt sich als ihr Retter aus und erzählt ihr, dass er sie nicht rauslassen könne, da ein chemischer oder atomarer Angriff stattgefunden hätte.

Und genau an dieser Stelle beginnt bereits das Problem von „10 Cloverfield Lane“. Denn viel Spannung geht bereits dadurch verloren, da man als Zuschauer schon weiß, dass die Geschichte vom vermeintlichen Entführer über eine Katastrophe wahr sein muss um einen Bezug zum Film von 2008 herzustellen. Die einzige Parallele ist die völlig subjektive Erzählweise. Der junge Regisseur Dan Trachtenberg, der sich bereits in einigen Kurzfilmen mit der Thematik der klaustrophobischen Spannungserzeugung beschäftigt hat, hätte hier mit einem eigenständigen Film viel mehr punkten können, den die stimmige Atmosphäre und die guten Darsteller hätten hier solides Genre-Kino bieten können. Da man aber aus kommerziellen Gründen die Story ins Cloverfield-Universum legte, wirkt das Ganze eher wie ein Plot im Plot, der die Sollbruchstellen nicht wirklich kitten kann.
Auch die Motivation und die Glaubwürdigkeit der drei Hauptprotagonisten wirkt gerade im Zusammenspiel zu stark konstruiert. Trachtenberg nimmt sich in der ersten Hälfte des Films viel Zeit um uns die Figuren näher zu bringen, aber weder Michelle noch Emmet ( John Gallagher jr.) können als Identifikationsfiguren überzeugen. Lediglich John Goodman gelingt es die feinen Nuancen seiner ambivalenten Figur glaubhaft darzustellen. Trotzdem muss man dem Film attestieren, dass er es gerade durch diese Konstruktionen schafft, einige sehr spannende Einzelszenen zu erzeugen, die einen an den Kinositz fesseln. Nur wirken diese eher wie Fragmente und nicht wie ein stimmiges Ganzes. Auch kommen einem viele Szenenbilder bereits merkwürdig bekannt vor, was weniger an einer gewissen Cloverfield-Atmosphäre liegt, sondern an den diversen Anspielungen: Saw, Breaking Bad, The Walking Dead oder Krieg der Welten. Gegen eine kleine Hommage wäre sicher nichts einzuwenden, aber die Motive werden hier gnadenlos ausgeschlachtet, was auch zum Gesamteindruck des Flickenteppichs passt.

Fazit: „10 Cloverfield Lane“ würde als eigenständiger Film besser funktionieren, schafft er es doch durch starke Einzelszenen einige Spannungsmomente zu erzeugen. Unterm Strich wurde hier aber versucht Wasser mit Öl zu vermischen und die Figuren bleiben mit Ausnahme von John Goodman weitgehend blass. Wer wirklich Lust auf anspruchsvolles, klaustrophobisches Kino hat, sollte sich den Oscar prämierten Film „Raum“ ansehen und wer eher leichtes Sci-Fi-Popcorn-Kino mag, der wartet vielleicht besser doch noch auf den nächsten Avangers-Film.

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