[tabby title=”Kritik”]

Ein Film über die Heizölbranche im New York des Jahres 1981. Da drängt sich natürlich erst mal die Frage auf, ob diese Thematik überhaupt ein Publikum finden kann und ob sich der Stoff überhaupt zu einem guten Thriller eignet. Wahrscheinlich hat der junge Regisseur J.C.Chandor bei seinem dritten Kinofilm deshalb mit „A most violent year“ einen Titel gewählt, bei dem man eher an einen typischen Gangsterthriller und weniger an eine Milieustudie denkt. Aber genau dieses Milieu wirkt so sehr auf die Handlungsweise der Protagonisten ein, dass sich daraus zwangsläufig die Elemente für einen atmosphärisch dichten und trotz einiger Längen, spannenden Geschäftsthriller ergeben.

Advertisement

Abel Morales ( Oscar Isaac ) versucht zusammen mit seiner Frau Anna ( Jessica Chastain ) auf ehrliche Weise ein Geschäft in dem als korrupt bekannten Heizöl-Sektor aufzubauen. Bei einer riskanten Grundstücksinvestition kommt ihm die Konkurrenz in die Quere. Seine Tankwagen werden gestohlen und seine Angestellten mit Gewalt eingeschüchtert. Als einer seiner Fahrer bei einem Überfall in Panik wild um sich schießt und damit Passanten in Gefahr bringt, erhebt der ehrgeizige Staatsanwalt Lawrence ( David Oyelowo ) Anklage gegen Morales, wodurch die Bank den Kredit zurückzieht und er nun gezwungen anderthalb Millionen Dollar in 30 Tagen aufzutreiben. Als er nun auch noch selber vor seiner eigenen Haustür überfallen wird, drängt ihn seine Frau Anna, auch zum Schutz der Familie, zu härteren und zwielichtigeren oder sagen wir besser „branchenüblicheren“ Methoden. Aber Abel bleibt bei seiner ehrlichen Linie und versucht auf seine Weise das Geschäft zu retten.

J.C.Chandor´s bisherige Filme, der Börsen-Thriller „Margin Call“ und das Survivor-Abenteuer „All is lost“ zeichneten sich trotz der recht unterschiedlichen Thematiken besonders durch die sehr realistische Inszenierung und die glaubhafte Handlungsweise seiner Protagonisten aus. „A most violent year“ ist jetzt sozusagen eine Mischung aus den beiden Vorgängern. Ein Mann der versucht in der harten Geschäftswelt des amerikanischen Kapitalismus zu überleben. Der Titel ist deswegen wohl auch so passend gewählt, weil 1981 laut der US-Verbrechensstatistik für die Stadt New York das gewaltsamste Jahr überhaupt war. Wenn die Hauptfigur, die von einer Einwandererfamilie stammt, nun in diesem Haifischbecken mit ehrlichen Methoden überleben will, ist es keine Frage das man mit dieser Figur auch sympathisiert. Aber genau hier bricht der Film mit den Vorgängern, denn auch ihm geht es letztlich nur um´s Geschäft und darum sich auf „seine“ Weise durchzusetzen. Ist das nun Kapitalismuskritik oder einfach nur der gelebte amerikanische Traum? Je nach dem welchen Standpunkt man vertritt ist die Handlungsweise von Morales nun verständlich oder eben nicht. Fest steht jedenfalls, dass Oscar Isaac ( „Inside Llewyn Davis“, „Ex-Machina“ ) seiner Figur die nötige Ambivalenz verleiht und ihm mit einem Hauch vom jungen Al Pacino in „Der Pate“ oder „Scarface“ garniert. Auch die Anspielungen auf klassische Gangsterfilme wie eben „Der Pate“ aber auch „French Connection“ sind hier und da eingestreut. Die Dialoge sind geschliffen und auch die Nebenfiguren hervorragend besetzt. Hierbei ist vor allem Jessica Chastain als durchtriebene Ehefrau zu erwähnen, die bereits in „Zero Dark Thirty“ und „Interstellar“ groß aufspielen konnte. Die Atmosphäre des Molochs New York kommt auch durch die ausgeblichenen Farben sehr zur Geltung, ebenso wie durch den ruhigen Soundtrack von Alex Ebert.

Die große Stärke des Films kann man aber auch gleichzeitig als seine Schwäche auslegen. Die Detailbesessenheit des Stoffs und die Charakterbildung der Figuren in der zweistündigen Laufzeit lassen kaum Platz für die Action, die wenn sie kommt auch auf den Punkt und durchaus packend inszeniert ist. Aber um den Zuschauer richtig mitreißen zu können fehlen dann eben doch ein wenig die Schauwerte und vielleicht auch die Gewalt, die hier nur selten aufblitzt. Bei J.C.Chandor´s Filmen ist es aber vielleicht genau so beabsichtigt. Manchmal hat man den Eindruck es fehlt noch etwas, es müsse noch etwas drauf gesetzt werden. Aber andererseits stellt sich die Frage warum eigentlich. In einem Film in dem es Figurenzeichnung und Milieustudie geht braucht es diesen Extra-Kick doch eigentlich nicht. Fazit: Gutes Indipendent-Kino mit guten Darstellern, aber einer langsamen Erzählweise, die auf manche ermüdend wirken kann, aber in diesen Details eben auch eine dichte Atmosphäre schafft.

[tabby title=”Trailer”]

[tabbyending]