Ja es gibt ihn noch: Den guten, alten, rohen und undergroundigen Hellectro. Jener, der nicht völlig glatt poliert wurde, der sich nicht nur noch selbst reproduziert und zugleich wunderbar düster ist. Zugegeben, man muss mittlerweile lange danach suchen und mitunter auch weit auf der Landkarte unterwegs sein, um noch eine solche Kategorie zu finden. Im Falle von Adeonesis ist es nun Bolivien. Wohlweißlich ist das nicht das Musterland des Hellectro. Umso mehr verwundernd ist es, wenn man die Klänge des neuen Albums „Post Mors Vitae“ vernimmt. Die Stimmung ist wie bei Hocico oder Amduscia zu Anfangstagen: Roh, chaotisch, hasserfüllt und triefend vor Schwärze. Tracks wie „Beyond our fears”, „Addicted to your pain” oder „Insane Existence” sind sphärische, treibende und melancholischen Knaller ohne Ende. Und ja, sie sind nicht perfekt. Manchmal wird der Sound ungewollt etwas schräg, die Melodien passen stellenweise auch nicht so gut zusammen oder die Stimme wird zu einem Brei, der sogar etwas störend wirkt. Aber die Band ist wie ein ungeschliffener Diamant und das hat seinen Reiz in diesen Tagen. Das scheinen auch andere erkannt zu haben. Und so gibt es eine Reihe von spannenden Kooperationen auf dem Album: Zusammen mit den Alien Vampires entstand das fulminante „Under my Instinct murdered“. Stahlnebel & Black Selket ackern mit Adeonesis den Track „This System“ um. Reaxion Guerrilla hilft bei „Fuck your religion“ aus. Xentrifuge zermalmt „Destroyed and forgotten“. Und schließlich räumen ES23 und A7ie bei „Insane Existence“ ordentlich auf. Klasse Album, klasse Songs! Klar mit vielen kleinen Schönheitsfehlern, die hoffentlich nicht so schnell entgratet werden.

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