Das zweite Album, so orakelt der Volksmund, ist im Allgemeinen immer das Schwerste. Gilt es doch, die Erwartungen nach einem erfolgreichen Debüt zu erfüllen, möglichst gar zu übertreffen. Nun, diese Hürde haben die finnischen Symphonic-Metaller Amberian Dawn erfolgreich genommen. Ihr Zweitling “The Clouds Of Northland Thunder” konnte bereits in Japan und England gute Rezensionen einheimsen und schickt sich nun an, den Rest Europas zu erobern.

Musikalisch bieten die Norländer um die hübsche Frontfrau Heidi Parviainen eine sehr gefällige Melanche aus symphonischem und dunklen Metal. Nightwish oder auch Edenbridge mögen hier als Referenzen gelten. Heidi klingt mit ihrem kräftigen Sopran-Organ fast wie ihre Landsmännin Tarja, auch wenn ihr Stimmvolumen noch nicht an jenes der Diva heranreicht. Die Produktion der Tracks ist sehr druckvoll, die Drums prasseln danieder und so umgeht die Scheibe der Gefahr, allzu süsslich daherzukommen. Dennoch darf auch die Herzschmerz-Ballade nicht fehlen: “Willow Of Tears” übernimmt diesen Job sehr einprägsam. Ein sehr schöner Track zum Schwelgen, der auf dunklen Tanzflächen die sterbenden Schwäne in Verzückung bringen dürfte. Überhaupt: Melodie wird bei Amberian Dawn großgeschrieben. Die Titel gehen direkt ins Ohr und wollen da auch gar nicht mehr heraus. Zum Glück verzichten die Finnen auf das recht ausgelutschte “Beauty & Beast”-Muster aus Elfengesäusel und Gegrunze. Die wenigen männlichen Parts sind melodisch und clear eingesungen; ansonsten überlässt die Band ihrer Fronterin Heidi das stimmliche Schlachtfeld.

Die zwölf Tracks dieser CD überzeugen durchweg, auch wenn die stärksten Songs geschickt am Anfang platziert wurden. Freunde von Femal-Fronted Gothic- und Symphonic-Metal kommen hier voll auf ihre Kosten. Diejenigen, die mit diesem Genre generell nichts anfangen können, werden aber auch mit dieser Scheibe nicht warm.