Um jedes Missverständnis gleich zu vermeiden – wer einen Hollywood-Blockbuster à la „Independence Day“ oder „Krieg der Welten“ erwartet, der wird hier enttäuscht. Auch wenn der Trailer es einem geschickt suggeriert, hier geht es nicht in erster Linie darum, dass eine überlege Alien-Spezies der Erde mit Vernichtung droht. Bei „Arrival“ geht es um weit mehr. Wie kommuniziert man mit intelligenten Lebewesen, wenn selbst die einfachsten und uns selbstverständlichen Kulturtechniken wie Sprache, Bildsprache, Schrift etc. dem Gegenüber völlig fremd sind und jede falsch verstandene Geste die potentielle Vernichtung der Erde nach sich ziehen könnte? Und wie würde die Menschheit auf diese vermeintliche Bedrohung reagieren?

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Der Plot: Zwölf Außerirdische Raumschiffe gigantischen Ausmaßes landen an zwölf verschieden Orten rund um den Erdball verteilt. Jeder Versuch einer Kommunikation ist bislang gescheitert. Deshalb engagiert das US-Militär unter der Leitung von Colonel Weber (Forest Whitaker) die Linguistik-Koryphäe Dr. Louise Banks (Amy Adams) sowie den Physiker Dr. Ian Donnerly (Jeremy Renner). Ihnen gelingt nun nach und nach die Sprache der Aliens zu entschlüsseln. Aber als einer der Aliens den interpretierbaren Satz „Waffe anbieten“ formuliert, spitzt sich die Lage schnell zu. Das Chinesische Militär macht sich für einen Erstschlag bereit und Dr. Banks bleibt nicht viel Zeit die Situation zu entschärfen. So entschließt sie sich auf eigene Faust mit den Aliens zu reden.

Das Drehbuch basiert auf der Kurzgeschichte „Story of your Life“ von Ted Chiang. Dabei geht es um eine der spannendsten Fragen der Menschheitsgeschichte. Was passiert wenn Außerirdische Kontakt zu uns aufnehmen? Werden wir versklavt oder gar vernichtet? Oder schaffen wir es von deren Wissen zu profitieren und uns auf die nächste evolutionäre Stufe zu heben? Diese Fragen wurde schon in Robert Zemeckis fantastischem Sci-Fi Drama „Contact“ von 1997 grandios inszeniert. Die Parallelen hierzu sind in „Arrival“ auch kaum von der Hand zu weisen. Allerdings gelingt es Regisseur Denis Villeneuve (Prisoners, Sicario) noch tiefer in das Thema der Kommunikation einzudringen und regt den Zuschauer noch mehr zum nachdenken an. Welchen Einfluss hat Sprache auf unsere Denkmuster? Wie schnell kann eine unbedachte Geste beim Gegenüber missinterpretiert werden und katastrophale Folgen auslösen? Diese Fragen sind auch in Zeiten aktueller, weltpolitischer kultureller Konflikte elementar.
So bringt auch der verblüffende, weil plausible Schlusstwist einen dazu die eigenen gewohnten Denkmuster zu hinterfragen. Das ist großes Hollywood Kino mit philosophischem Anspruch.

Handwerklich gibt es bei Denis Villeneuve hier auch nichts zu kritisieren. Beeindruckende Landschaftsbilder umrahmen die gigantischen Muschel-Raumschiffe. Die Reise ins Innere zu den Aliens lässt Beklemmung und Neugierde zugleich aufkommen. Das optische Design und der wieder mal bombastische Score von Jóhann Jóhannsson unterstreichen diese Stimmung gekonnt.
Der gute Cast angeführt von Amy Adams weiß ebenfalls zu überzeugen. So ist es auch zu vernachlässigen, dass das Tempo an manchen Stellen doch arg heruntergeschraubt wird. Letztendlich dient das aber genau das dazu, durch die geschickt eingestreuten Anspielungen, den Plot am Ende zu schließen.

Fazit: Handwerklich perfektes, philosophisch angehauchtes Hollywood-Kino mit einer verträglichen Prise Pathos und teilweise völlig neuen Ansätzen. So wirkt „Arrival“ im Gesamteindruck sehr ruhig und kühl, aber trotzdem stilistisch beeindruckend und schafft es ähnlich wie vor zwei Jahren schon „Interstellar“ ein breites Publikum zum nachdenken anzuregen.