ASP hatte sich einen trüben Novembertag ausgesucht, um 3 Jahre nach der "Wer sonst"-Tour wieder im Stuttgarter Raum aufzutreten, diesmal als "Geisterfahrer".
Die Filderstädter Filharmonie bot einen idealen Rahmen für die ca. 1000 Zuhörer und Zuschauer – der Veranstaltungsraum so groß und geneigt, dass alle Besucher Platz zum Stehen und Blick auf die Bühne hatten und davor genügend Raum zum Luft schnappen und Freunde sprechen.

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Einlass und Kontrollen verliefen reibungslos und gut organisiert und die Hörer fanden schnell geeignete Plätze, um auf den Auftritt der Vorband zu warten.

Mantus ist ein (mit Unterbrechungen) etwa 15 Jahre altes Musikprojekt von Martin Schindler, dessen Name sich vom etruskischen Gott der Unterwelt ableitet und dessen Musikstil in der Nähe von Dark-Metal liegt. Es kombiniert anspruchsvolle deutsche Texte mit harten Metall-Gitarrenklängen. Als der Sänger von Mantus, Martin Schindler, verkündete, in der Region ihr erstes Konzert zu geben, reagierte das Publikum mit erwartungsvoller Freude und bedachte die Band mit Vorschuss-Applaus. Bei der Musik von Mantus kombinierten sich wuchtige Bassläufe und die Stimme von Martin Schindler mit dem klaren Gesang von Chiara Amberia zu einem runden Klangeindruck. Chiara zog mit wehenden Bewegungen zusätzlich die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Bühne und die Zuhörer ließen sich gerne mitziehen. Unklar war, welcher Teil von Schlagzeug und Keyboard live auf der Bühne entstand und was zugespielt wurde. Auch gewöhnte sich das Publikum bald an Vier-Akkord-Abwärts-Bassläufe – eine Hommage an das Metal-Umfeld – und hätte der Band hier mehr Variationen zugetraut. Die Stimme der Sängerin stand nach Ende des Sets noch im Raum und Mantus hinterließ das Publikum vorbereitet für den Haupt-Act des Abends.

Seit 12 Jahren ziehen ASP einen stimmigen Faden durch die deutschsprachige schwarze Musik. Neben dem "schwarzen Schmetterling"-Zyklus veröffentlichten sie über 5 weitere Alben und Kompilationen und allein ihre "Krabat"-Einspielung mit der Erweiterung des ursprünglichen Stoffs von Ottfried Preußler ist ein Zyklus für sich. ASP spielte gleich auf mit "Geisterfahrer", dem Motto der 2012er-Tour und das Publikum merkte gleich, dass auch im dreizehnten Jahr nach der Gründung die Lieder von ASP nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren haben. Spätestens bei "Wechselbalg" war das Publikum am laut Mitsingen und Tanzen und ließ sich auch durch textakzentuierte Titel mit weniger bekannten Texten nicht abbringen. Die Texte und die Musik abgestimmt auf die tiefe Stimme von Alexander Spreng, intensive Wechselwirkung mit dem Publikum und Abwechslung zwischen bekannten alten Titeln und neuen Titeln kennzeichneten den Verlauf des Abends. Sänger Asp versprach in der Mitte des Konzerts "es wird nicht wehtun – oder vielleicht doch" baute so noch mehr Spannung auf. Aussteuerung und Lightshow liefen exakt synchron zur Musik und begleiteten und intensivierten Rhythmus- und Stimmungswechsel. Als schließlich nach "Eisige Wirklichkeit", "Krabat" und "Überhärte" das lang erwartete "und wir tanzten" lief, hatte ASP das Publikum komplett gefangen.
Bei der Zugabe "Rücken an Rücken" durften schließlich alle Zuschauer gemeinsam tanzen und eine Zuschauerin auf die Bühne und bei "Ich will brennen" sangen die Fans lauter als die Band. "Ich bin ein wahrer Satan" und "Schwarzes Blut" entließen die Hörer dann wieder in die kaltfeuchte Novembernacht.

Fotos bei ASP waren nur aus dem Publikum möglich.

Vielen Dank an dieser Stelle an den Veranstalter C2 Concerts für dieses gelungene Event.

Text: Harald Melcher