Tom Shear meldet sich zurück. Damals Anfang Ende der 90er Anfang 2K, kam der US-Amerikaner im Zuge der Futurepop Welle in Deutschland ans Tageslicht. Im Gegensatz zu vielen damals angesagten Bands, deren Namen man inzwischen sogar vergessen hat, ging Assemblage 23 einen anderen Weg. Das Ende der Futurepopwelle, ließ Tom kalt und es folgten weitere erfolgreiche Alben. Zuletzt 2012, kam das Album „Bruise“ auf den Markt. In den vergangenen vier Jahren folgte ein neues Sideproject, welches den „härteren, progressiven Mr. Shear“ der Öffentlichkeit zeigte.

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Nun aber zurück zum eigentlichen, musikalischen Kern, des in Seattle Lebenden Tom. „Endure“, was im deutschen „Ertragen“ bedeutet ist das 9. Reguläre Studioalbum. Von den Anfangs wilden Tagen, hat man sich aber mit jedem Album ein Stück mehr entfernt, so ähnlich wie man das auch VNV Nation beachten kann. Die spannende Frage lautet hier also, was uns Mr. Shear servieren wird? Ein poppiges Album oder eine Besinnung auf die alten Zeiten? Die Antwort ist ziemlich schnell gefunden. Der Pressetext spricht von modernem EBM und Industrial, doch davon ist „Endure“ meilenweit entfernt. Der Opener „Endure“ spricht da aber eine ganz andere Sprache. Süß säuselnde Klänge bilden das etwas lang geratene Intro zu dem Song „Afterglow“, der mit EBM ungefähr so viel zu tun hat wie meine Oma mit Leistungssport. „Bravery“ schließt sich da ran und erinnert mich an die schon erwähnten VNV Nation zu „Arena“ Zeiten.

Track 4: Achtung umdenken! „Salt The Earth“ entspricht endlich dem Pressetext. Ein hektischer Rhythmus bildet die Grundlage für diesen Song, der um einiges Aggressiver ist als die 3 Song davor zusammen. Das daran anschließende „Static“ geht beginnt sehr verträumt, Tom Shear baut hier einen Song, wie eine Torte. Es kommt immer eine neue Schicht drauf, bis ganz zum Schluss der Zuckerguss und die Verzierungen dran sind. „Call The Dawn“ schlägt den eingeschlagenen Weg nicht mehr ganz fort. Es wird wieder ein wenig poppiger, aber vom schläfrigem Album Auftakt doch noch ein gutes Stück entfernt. „Butterfly Effect“ ist ein Bassmonster! Nicht besonders schnell, auch nicht unbedingt Tanzflächenfüllend, gräbt sich der Bass aber unaufhaltsam in die Ohren. Auch sonst ein sehr gelungener Track. „Barren“ reiht sich die lange Liste der A23 Clubhits ein. Nicht zu aggressiv, aber mit hypnotischen Synthies, klar ein Single Kandidat. Knapp vor Album Ende nimmt „Grid“ nochmal richtig Fahrt auf. Eine schnelle Sequenz als Grundlage, dazu ein paar passende Beats sowie Flächensounds und schon haben wir einen typischen A23 Song. Ich weiß nicht warum, aber zum Abschluss hatte ich mit dem Titel „December“ eigentlich eine winterliche, melancholische Ballade erwartet. Denkste! „December“ hält das von Grid vorgegeben Tempo locker, weiß mit einigen Breaks zu gefallen und bildet einen Tanzbaren Abschluss.

„Endure“ hat sicher einige Schwächen, vielleicht liegt es auch nur daran das ich mir gewünscht hätte, wir hätten mehr EBM als Synthie Pop bekommen. A23 Fans, werden aber auf gar keinen Fall enttäuscht. Desto länger ich mich mit dem Album beschäftige, desto besser gefällt es mir, was mir z.B. mit dem letzten VNV Nation Werk bis heute nicht gelungen ist.