Der Originalfilm „Blade Runner“ von Ridley Scott aus dem Jahre 1982 gehört neben „The Terminator“ zu den bekanntesten Vertretern des Sci-Fi Noir oder auch Tech Noir Genres. Eine dystopische Zukunftsvision vermischt sich mit den klassischen Stilelementen des Film Noir. Das bedeutet es regnet sehr oft, gerne auch nachts. Dazu kommt ein urbanes Setting mit starken Hell-Dunkel Kontrasten. Der Held ist eigentlich kein Held sondern eine ambivalente Figur und recht wortkarg. So gesehen betritt Denis Villeneuves mit„Blade Runner 2049“ einen bereits sehr ausgetretenen Pfad. Was der Regisseur von „Sicario“, „Prisoners“ und „Arrival“ allerdings besser kann, als die meisten der Regie-Altmeister; er hat einen sehr gutes Gespür für zeitgemäße und beeindruckende visuelle Ästhetik. Und bei dem Sequel zu diesem Klassiker konnte er seinem Talent freien Lauf lassen. „Blade Runner 2049“ ist bombastisches Überwältigungskino und verzichtet wohltuender Weise auf hektische Schnitte und Reizüberflutung, wie sie heute in fast jedem Marvel-Blockbuster zu sehen ist.

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Er nimmt sich bewusst Zeit, um seine Bilder, seine Dystopie auch auf den Zuschauer wirken zu lassen. Untermalt wird das ganze noch vom wieder einmal drückenden Score von Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch. Diese wurden erst kurz zuvor eingestellt, nachdem Villeneuves Stammkomponist Johann Johannson sich angeblich zu weit von Vangelis´ Original von 1982 entfernt hatte. Dem Ergebnis tut diese Umbesetzung allerdings keinen Abbruch. Im Gegenteil: Wie bereits bei Dunkirk ist diese Zusammenarbeit eine der beeindruckenstens Soundscapes überhaupt und vermittelt die Stimmung der Bilder und der Emotionen punktgenau.

Wie schon im Original geht es auch hier wieder um Identitätsfindung des Menschen sowie den Umgang mit künstlich geschaffener Intelligenz. Basierte der 82er Film noch auf der Romanvorlage von Phillip K. Dick, wurde hier nur grob darauf Bezug genommen und die Gedanken noch etwas weitergesponnen. So wurde z.B. auch das Thema Beziehung zu einem Computer-Programm, ähnlich wie bei Spike Jones „Her“ mit in die Handlung eingewoben und führt somit auch zu einer zeitgemäßen Betrachtung der Problematik. Trotzdem ist die dargestellte Technologie, genauso wie der Look einer Zukunftsvision entsprungen, wie man sie noch in der 1980er Jahren hatte, was dem Homage-Gedanken sehr gut tut und fast schon eine erfrischende Abwechlung zu den komplett durchgestytlen Zukunftsvisionen des modernen Hollywood-Kinos passt.
Die Besetzung der Hauptrolle des Replikanten-Jägers K. Mit Ryan Gossling erweist sich als Ideal, da er es ähnlich wie bereits in „Drive“ schafft durch konsequentes unterspielen schafft, seiner Figur die nötige Kühle und Distanz zu verleihen und dann erst durch das späte Auftreten Harrison Fords einen passenden Antagonisten bekommt.

Vorwerfen kann man dem Film nicht viel. Er nimmt sich Zeit und fordert das Publikum so zum nachdenken, was der Popcorn-Fraktion sicherlich negativ aufstoßen wird. Im Gegensatz zum 82er Film wird hier aber auch kein Neuland betreten.

Fazit: Cyberpunk-Ästhetik der 80erJahre trifft auf Film-Noir und wird mit den technischen Möglichkeiten des Jahres 2017 so zu einem visuell-akustischem Gesamterlebnis und lässt trotzdem noch genügend Raum für einen komplex-philosphischen Plot ohne sich die dabei intellektuell zu überhöhen. Alles in Allem eine sehr gelungene Mixtur, die nicht ganz an die visionäre Kraft des Originals heranreicht, ihn dafür in Sachen Ästhetik aber locker in die Tasche steckt.