Das brandenburgisch-sächsische Trio Head-Less geistert mittlerweile über 10 Jahre durch die mitunter internationale Electro- und Future-Pop-Szene und hat in meinen Augen nach wie vor einen zu Unrecht relativ geringen Bekanntheitsgrad. Das mag darin begründet liegen, dass bisher der gesamte Veröffentlichungsprozess in Eigenregie praktiziert wurde und erst mit dem aktuellen Longplayer “Imperfect: [Mensch]” mit Danse Macabre ein Label gefunden wurde.
Nun sollte dem Erfolg nichts mehr im Wege stehen. Nicht nur, weil das Administrative abgegeben werden konnte, sondern auch ist für meine Ohren das neue Album die bisher stärkste Veröffentlichung von Markus (Keys/Management), Matthias (Keys/Produktion) und René (Gesang/Lyrics).

Der erste (optische) Eindruck des Albumtitels ließ mich in seiner Schreibweise an [:SITD:] denken. Zufall? Einbildung? Völlig egal, der Inhalt muss stimmen. Dieser wird von dem sehr sphärischen und pathetischen “Contrapunkt” eingeleitet. Die multilingualen Lyrics und die stampfenden Drums lassen mich wiederum an VNV Nation denken (teils an “Foreword” von “Futureperfect”, andererseits an das Intro der “Pastperfect”-DVD). Weiter geht es mit dem überaus clubtauglichen “Punish Your Head”. Wird hier mit dem Titelnamen der Zaunpfahl in Richtung einer belgischen EBM-Legende geschwungen? Bevor der Eindruck entsteht, der Rezensent sucht nach Plagiaten oder Parallelen, sei festgehalten, dass Head-Less entgegen vieler Szenekollegen tatsächlich einen eigenen Stil entwickelt haben und sich abheben. Ich denke, wenn man einige Tracks gehört hat, weiß man, was gemeint ist. Besonders René’s Stimme ist “anders”: eher kühl und rotzig, was das Ganze für mich etwas härter wirken lässt. Musikalisch bewegen sich Head-Less auf einem ziemlich zügigen und tanzbaren Level mit angenehmen Melodien und knackigen Beats. In diesem Zusammenhang sei mein Album-Highlight “Forgiving” hervorzuheben: ein absolut genialer Ohrwurm mit ein paar wunderbaren und passend eingesetzten Flächen, welcher in jeden DJ-Koffer gehört. Für mich ist dieser Track auch die beste Gesangsleistung auf dem gesamten Album. Was auf “Rouge et Noir” der Titel “Treibjagd” war, ist hier “Forgiving”: Bombe!
Ruhige Minuten gibt es selbstverständlich auch: zum einen mit dem kurzen Instrumental “Dialogue” oder dem getragen-balladesken “Down Memory Lane”, welches mich (ich kann’s nicht lassen) an VNV Nation‘s “Ghost” erinnert. Dies soll aber durchaus als Würdigung anstatt als Kritik verstanden werden! Zum anderen hat sich das Dreigespann mit “Als ich fortging” von Karussell/Dirk Michaelis an einen ganz großen Ost-Klassiker zum Covern gewagt. Die Gänsehaut ist auch beim Cover durchaus nicht zu leugnen, aber das Original legt da zuviel vor, als dass eine Coverversion ihm würdig wird. Trotz alledem eine klasse Leistung, besonders auch gesanglich!

Insgesamt kann “Imperfect: [Mensch]” all das attestiert werden, was ein sehr gutes Album ausmacht: Abwechslung, Eigenständigkeit, gute Produktion und Gesang, keine Ausfälle oder Lückenfüller und natürlich DER Titel, der in besonderem Maße an das Album erinnern lässt, in diesem Fall das erwähnte “Forgiving”.
Hoffen wir, dass mit diesem Album noch einige Hörer mehr auf Head-Less aufmerksam werden, denn die bisherige Entwicklung nach vorn lässt nur Gutes erahnen…