Hioctan scheinen endlich wieder alles unter Kontrolle zu haben. Fast ist man versucht, zu sagen: Das wurde aber auch Zeit – sieben Jahre nach „Headscan“. Das neue Album „Under Control“ wirkt deutlich gereifter und weist gleichzeitig den Weg in Vergangenheit – so, wie Dark Electro zu Beginn seiner Entstehung geklungen hat. Zugegeben, den modernen Einflüssen ganz ablehnend steht Hioctan wohl nicht gegenüber, dennoch machen die Jungs insgesamt Vieles anders als so mancher Genre-Kollege.

Technoider oder Tranciger Harsh Electro, Hellektro oder reine Tanzmusik, gibt es auf „Under Control“ nicht. Dafür aber viel düstere unheiltriefende Sounds. Dazu kommen eine verzerrte Voice, Samples, eine stampfende Percussion und gesellschaftskritische Texte. Während der Sound beim Vorgänger „Headscan“ noch etwas unausgegoren klang, zeigt sich hier eine deutliche Steigerung in punkto Qualität und Reifegrad der Songs. Apokalyptische Schwärze breitet sich bereits beim Intro „Pax veritas” aus. Das folgende fulminante „Damned Society” macht seinem Titel alle Ehre und lässt es ordentlich krachen. „Passion Of Cruelty” und „Under Control“ stehen dem in nichts nach, während „Collision“ spürbar sphärischer wird. Etwas eintönig entpuppt sich die „Sonderbehandlung 14f13”, doch bereits „Pax Americana“ nimmt schon wieder Fahrt auf. Richtig klasse klingen die folgenden „Sleepless“ und „The Great Deception“, Dark Electro der 90er par excellence. Es folgen mit „Aim Of Life” und „Sacrifice My Fear“ zwei weitere klasse Tracks dieser Kategorie.

Am Schluss der 14 Songs hat Hioctan aber dann das Maximum der verfügbaren Aufmerksamkeit erreicht – so gut das Album auch war. Etwas mehr Pausen innerhalb des wuchtigen Sounds wären empfehlenswert gewesen. Positiv anzurechnen ist, dass auf den obligatorischen Remix-Terror verzichtet wurde. Insgesamt verdient „Under Control“ die hohe Wertung aufgrund seiner Eigenständigkeit und seiner guten Machart. Kleinere Schönheitsfehler müssen zwar einkalkuliert werden, fallen aber dann doch nicht so ins Gewicht.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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78 %