Das Mittelalter-Genre dreht sich manchmal im Kreis und beißt sich selber in den eigenen Schwanz. Denn irgenwann ist halt mal jede Königstochter erobert, die Drachen ausgestorben und alle Feinde auf dem Schlachtfeld heroisch mit dem Schwerte niedergestreckt. Worüber soll man dann noch singen? Irgendwann ist jedes Lied gesungen und jede Melodie bis zum Äußersten ausgereizt. Die Bands wiederholen sich, gefangen im Laufrad ihrer Karriere und das Publikum gähnt gelangweilt. Nur gut, dass das Genre tief unten im Untergrund brodelt und pulsiert. Und ab und zu wird wie bei einer Vulkaneruption ein neuer heißer Hoffnungsträger hinaus gespuckt in den nach Innovation geifernden Markt.

So geschehen auch mit der fränkischen Band Ignis Fatuu, die seit 2004 existiert und sich nach diversen Besetzungswechseln, vielen Gigs und noch mehr Fleiß und Ehrgeiz nun anschickt, bundesweit für Furore zu sorgen. Immerhin konnten die Recken die Trüffelsucher von Danse Macabre überzeugen. Und so reifte unter dem großen Schirm dieses Labels die nun erscheinende CD “Es werde Licht” zu Erntereife heran. Und siehe da, es gibt es noch… Das Feuer der Lieder, die von Abenteuer aus längst vergangenen Zeiten erzählen, neue und aufregende Melodien, die mit Herzblut geschrieben und gespielt werden.

Ignis Fatuu schaffen es, mit den üblichen Instrumenten wie Schalmeien, Dudelsack, Flöten und Geige ihren eigenen Kosmos zu schaffen. Durch die Omipräsenz der genannten Instrumente erinnert der Stil der Band sehr an den der Münchener Kollegen Schandmaul. Allerdings ist der Härtgrad der Tracks um einiges höher: Bratgitarren kicken die Tracks, die damit der Gefahr entgehen, allzu “familienkompatibel” zu klingen. Besonderes Markenzeichen der Band ist der male/ female Zwiegesang in einigen Tracks. Dieses Stilmittel wird nicht überstrapaziert, sondern kommt punktuell da zum Einsatz, wo es passt. Zum Glück schafft es die Band, nicht in das völlig überlaufende Pagan-Metal-Segment hinüberzugleiten. So verzichtet Sänger Alexander konsequent auf Growls, sondern orientiert sich stilistisch eher am Rockgenre. Dennoch sind auch einige Balladen an Bord, die den schnellen Tracks in nichts nachstehen. “Es werde Licht” ist astrein und staubfrei produziert, die Künstler verstehen ihr Handwerk und ihre Songs greifen schon beim ersten Hören. Mehr kann und darf man von einem Debütalbum nicht erwarten. Darüber hinaus stehen Ignis Fatuu für eine Generation nachwachsender Bands im Mittelalterrock-Genre, die irgendwann das Erbe der etablierten Bands wie In Extremo und Co. antreten wird.