Wenn es im schnelllebigen Musik-Business tatsächlich so etwas wie feste Größen gibt, gehören die Australier Ikon zweifellos dazu. Jahr um Jahr liefern sie mit schöner Regelmäßigkeit qualitativ hochwertige Alben ab, die von den Rezensenten heiß und innig geliebt werden, jedoch das (europäische) Publikum stets eher kalt ließen. Demnach haben sie nie wirklich ihren Status als “Untergrund im Untergrund”-Band verloren. Das mag daran liegen, dass sie einen eher altmodischen Stil pflegen: Wave, Goth-Rock, Postpunk… Das sind die Schlagworte, die man gemeinhin mit dem Schaffen von Ikon verbindet. Leider sind dies Stile, die in den Clubs kaum noch auftauchen und daher auch in der breiten Szene-Masse wenig Beachtung finden. Sehr schade, denn Ikon frönen einem stockdunklen Sound, der im Laufe der vielen Jahre unverwechselbar geworden ist: früher nahm man Joy Division als Referenz, aber mittlerweile gehen Ikon ihren eigenen musikalischen Weg.

Natürlich fehlt ihren Songs dieses spezielle Hit-Gen, welches Klassiker für die Ewigkeit schafft. Und natürlich transportieren die Tracks nicht diese aggressive Finsternis, wie sie Fields Of The Nephilim, Garden Of Delight oder ähnliche Acts verbreiten. Aber stattdessen haben ihre Songs eine Sehnsucht, ein Suchen mit sehr melancholischen Elementen. Der lakonische, manchmal leicht klagende Gesang paart sich mit Schrabbelgitarren und wunderbaren Melodien.

Frank The Baptist und mit Abstrichen Pink Turns Blue mögen als Vergleiche herhalten. Aber Musik von Down Under ist halt doch etwas spezieller. Das aktuelle Album “Love, Hate And Sorrow” geizt nicht mit gitarrenschwangeren Jenseitshymnen. Die Kompositionen sind vielschichtig und teilweise so komplex, dass man die Scheibe mehrmals hören muss, um sie in ihrer Gänze zu erfassen. Hinzu kommt, dass Ikon sich nicht lumpen ließen und sogar ein komplettes Doppelalbum spendieren: auf der ersten CD finden sich die regulären Album-Tracks, auf der zweiten CD finden wir zehn hochwertige Akustiksongs, die sehr verletzlich und nackt da stehen, aber gerade deshalb verdeutlichen, wie großartig die Songwriterqualitäten der Aussies sind. “Love, Hate And Sorrow” ist also wieder einmal ein Album, bei dem Ikon alles richtig gemacht haben. Schönes blüht manchmal leider im Verborgenen. Daher wird Ikon auch mit diesem Output nicht vom Insider-Status runterkommen. Schade, aber so ist diese ignorante Welt nun einmal.