Neuroticfish geben ein Lebenszeichen von sich. „A Sign Of Life“ so der Titel des aktuellen Albums, ist viel mehr als nur ein Albumtitel. Wir unterhielten uns mit Sascha über vergangenes, die Gegenwart und die Zukunft.
Hallo, wie geht es dir?

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Sehr gut, Danke der Nachfrage. Wir haben im Moment zwar recht viel zu tun, aber das war ja durchaus abzusehen 🙂

Magst du uns etwas über die Zeit von 2008 – 2013 berichten? Was hast du in der Neuroticfish freien Zeit so getrieben?

Ich hatte mich seinerzeit zurückgezogen weil ich mich ziemlich erschöpft und ausgelaugt fühlte. Neuroticfish hatte sich ja über die Jahre einen Namen gemacht und wurde immer bekannter. Dadurch musste ich mich immer mehr um Dinge kümmern, die originär nichts mit unserer Musik zu tun hatten, jedoch notwendig waren um das Projekt weiter zu bringen. Ich habe mich da selbst sehr unter Druck gesetzt und wollte natürlich alles perfekt machen. Das hat mich dann aber davon abgehalten mich um das wirklich Wichtige, die Musik zu kümmern. Das Ganze hat sich dann irgendwann negativ auf meine Gesundheit ausgewirkt, so dass ich einfach untergetaucht bin. Henning hat das damals sehr getroffen und das tut mir auch sehr leid, aber mein Akku war komplett leer gefahren. Henning hat dann in der Zwischenzeit als Produzent weitergearbeitet und ist ja mittlerweile einer der erfolgreichsten Produzenten Deutschlands.

Wenn wir schon dabei sind 2013 scheint der Wendepunkt zu sein oder? Damals gab es die ersten Lebenszeichen einer Band die man eigentlich für beendet angesehen hat. Zumindest gab es damals glaube ich die ersten Konzerte. Hattest du, nicht damals sogar dein Equipment verkauft? Wie kam überhaupt die Entscheidung zustande es doch wieder anzugehen?

Ich hab damals mein Zeugs bei eBay reingestellt um auch im Kopf einen eindeutigen Schlussstrich ziehen zu können. Als Künstler hast du aber natürlich immer das Bedürfnis dich künstlerisch auszudrücken. Ich habe dann versucht das Medium zu wechseln. Schreiben, Fotografieren oder Malerei, alles habe ich ausprobiert. Das alles hat sich aber nicht richtig angefühlt. Ok, dann vielleicht doch wieder Musik – vielleicht nicht gerade Neuroticfish. Es wurde dann mit Filmmusik herumexperimentiert, als Autor für andere Musiker gearbeitet und der eine oder andere Remix gemacht. Das war’s aber auch nicht. Irgendwann wurde mir dann klar, dass nicht Neuroticfish das Problem war, sondern meine Herangehensweise. Henning und ich hatten zu der Zeit nur sporadisch Kontakt, da ich in der Zwischenzeit auch wieder zurück in meine Heimatstadt Bochum gezogen bin. Als ich ihn dann anrief und fragte ob wir wieder zusammen Neuroticfish machen wollten, antwortete er mir „Na endlich, ich dachte Du fragst nie. Komm vorbei, wir fangen sofort an!“.

Nun steht euer neues Album im Mittelpunkt. Glücklich und zufrieden es geschafft zu haben?

Auf jeden Fall. Wir hatten uns wirklich nicht vorgestellt, dass es doch so schwierig werden würde regelmäßige Termine für die Produktion des Albums zu finden. Unsere Leben hatten sich in der Zwischenzeit natürlich in verschiedene Richtungen entwickelt. Henning ist oft für andere Projekte unterwegs und ich hab ja auch das eine oder andere Eisen im Feuer, um dass ich mich kümmern muss. Aber das ist jetzt ausgestanden und wir freuen uns wirklich, dass „A Sign Of Life“ so geworden ist, wie wir es uns gewünscht haben.

Laut der Presseinfo ist „A Sign Of Life“ ja nicht nur der Albumtitel sondern zugleich auch das Konzept dahinter. Wie muss ich mir das vorstellen?

Erstmal war „A Sign Of Life“ nur der Arbeitstitel des Albums aber uns wurde relativ schnell klar, dass viel mehr dahinter steckt. Ein Lebenszeichen ist ja das Ergebnis einer Zustandsabfrage. Wir haben uns da von Schrödingers Katze, oder der heisenbergschen Unschärfe-Relation inspirieren lassen Deswegen wird der Titel auch nicht auf die CD gedruckt. Die CD ist ja das eigentliche Lebenszeichen. Genauso verhält es sich mit unseren Live-Shows. Wir machen keine ausgiebigen Tourneen, wir platzieren einzelne exklusive Gigs als „Signs of Life“. Wir möchten gar nicht jederzeit und überall präsent sein. So funktioniert „Neuroticfish“ für uns nicht.

Was hat sich denn in den letzten 10 Jahren, also seit dem Album „Gelb“, bei Neuroticfish getan? Hat sich die Herangehensweise an neue Songs geändert? Sehr ihr das derzeitige als Neuanfang oder eher als Fortsetzung?

Viele sehen es als Fortsetzung aber es fühlt sich für mich wie ein Debut an. Wir haben ja quasi auf dem sprichwörtlichen weissen Blatt Papier angefangen. Ich glaube im Grunde geht es uns dabei um den Prozess, die eigentliche Entwicklung von Songs. Uns war schon klar, dass wir ein Album machen wollten, aber wir haben uns vorab keine Gedanken gemacht, wann es fertig sein sollte oder wieviele Songs es enthalten wird. Wir haben einfach losgelegt und irgendwann war es fertig.

Euer neues Album erscheint nicht bei einem Label, sondern in Eigenregie. Was hat euch zu diesem Schritt bewogen?

Wir haben NOR nur aus dem einen Grund gegründet, die volle Kontrolle über unsere Arbeit zurück zu erlangen. Die Entscheidungsprozesse sind jetzt viel einfacher und schneller. Bei einem Label-Deal hast nicht immer die Freiheit, zu entscheiden, wo und wie und wann dein Album erscheinen wird. Im ungünstigsten Fall hast du die Veröffentlichungsrechte an deinen Songs auf Jahre hinaus abgegeben und bist dadurch natürlich viel unflexibler. Ein eigenes Label bedeutet natürlich viel mehr Arbeit und auch mehr eigenes Risiko, aber dafür sind wir jetzt eines der ganz wenigen wirklichen „indie“-Labels 😉

Eure Single „Silence“ stürmte ja die Szene Charts so war z.B. wochenlang Platz 1 der GEWC durch euch belegt. Verwundert? Glücklich? Egal?

Wir hatten uns ja schon 2013 bei unserem Reunion-Gig darüber gewundert, dass man uns noch kennt. Es gibt ja mittlerweile so viele gute Musik, dass wir eher dachten, es würde keiner mehr kommen. Das war zum Glück nicht so und die Matrix in Bochum war doch schon recht gut gefüllt. Die DACs und der GEWC sind natürlich für eine kleine Band, die Club-Musik macht eine gute Möglichkeit festzustellen, wie die Resonanz auf ihre Musik ist. Wenn man dann noch auf Platz 1 kommt, freut man sich noch mehr.

Ich möchte euch ein paar Stichworte geben und wäre für eure Gedanken dazu dankbar:
Iran Atomkompromiss
Eurokrise
Retro

„Iran Atomkompromiss“: Sehr komplexes Thema. Würde den Rahmen dieses Interviews wohl sprengen. Finde es nur wirklich verwunderlich, dass nach Fukushima und Tschernobyl Atomkraft immer noch als Option zur Energiegewinnung gilt. „Eurokrise“: Noch komplexeres Thema mit zuviel Hysterie und Stammtisch-Parolen. „Retro“: Überstrapazierter Kunstbegriff, nervt mich total 🙂

Welche Musik hört ihr privat? Habt ihr ein paar aktuelle Tipps?

Aufgrund des Überangebotes von Musik im Allgemeinen, wird es für mich immer schwieriger Musik zu finden, die mich interessiert und berührt. Als Musiker gehst Du auch immer mit einem analytischem Ohr an neue Songs ran. Das versuche ich zu vermeiden, ist aber nicht immer so einfach. Szene-orientierte Musik höre ich so gut wie gar nicht, da mir dort im Moment zuviel auf „Nummer Sicher“ produziert scheint. Ist wohl im Moment einfacher, seine Tracks auf Disco-Fox zu trimmen, als sich mal ein paar kreative Gedanken zu machen. Im Moment höre ich viel „The National“, „Interpol“ usw., unpoliertes Zeug mit viel Seele 🙂

Wie sind denn die weiteren Pläne? Schon mit den Arbeiten am nächsten Album begonnen? Ideen im Kopf? Livepläne?

Das Album ist jetzt ca. 1 Woche draußen, da mache ich mir jetzt wirklich keine Gedanken um das nächste 🙂 Wir müssen uns jetzt erstmal um’s Label kümmern, Promotion machen etc. Wir sind im Juli auf dem Amphi in Köln und planen noch den einen oder anderen Gig.

Dann sehen wir uns in Köln! Ich danke für eure Zeit und übergebe euch traditionell bei uns das letzte Wort.

Es war uns ein Fest 🙂