Nova-Spes im Interview

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Die Band Nova-Spes veröffentlichte vor kurzem ihr bereits 10. Studioalbum, welches sich aber für die meisten wie ein Debüt anfühlen dürfte. Wir nahmen die Band ein wenig genauer unter die Lupe.

Hallo, bevor wir uns mit eurem aktuellen Album beschäftigen, brennt mir eine ganz andere Frage unter den Nägeln. “pripyat – home of lilith” ist bereits euer 10. Album. Wieso habt ihr euch die ganze Zeit versteckt? Mir zumindest war die Band völlig unbekannt bis dato.

Hi, “…versteckt…” ist gut gesagt. Selbstverständlich hätten wir auch nichts dagegen gehabt, schon eher mehr Leuten den Zugang zu unserer Musik ermöglichen zu können. Wir bilden hier aber keine Ausnahme zu den vielen, vielen anderen Bands, die einfach ungehört bleiben, weil ihnen die Möglichkeiten fehlen, die wir jetzt mit dem Label DANSE MACABRE und vor allem mit Bruno Kramm haben.
Die Professionalität, die einem ein gutes Label zur Verfügung stellt, ist auch in Zeiten von MP3 und Co. wichtig.
Andererseits kann es ja auch von Vorteil sein, wenn man Zeit hat, seinen eigenen Stil zu entwickeln, bevor man auf die “große Welt” losgelassen wird. 😉

Laut Presseinfo wurde Nova-Spes im Rahmen eines Forschungsprojektes gegründet. Was kann man sich den darunter vorstellen?

Ich habe einmal Medientechnik studiert. Während dieses Studiums habe ich Steffen Pöhler kennengelernt, mit dem ich zusammen in einem Forschungsprojekt zum “Wohltemperierten Klavier” von J.S. Bach gearbeitet habe. Wir haben dort, nicht zuletzt durch die Arbeit mit Prof. Gottfried Böttger (Gründer des Panik-Orchesters) viel Wissen erlangen können und der Wunsch, auch weiterhin musikalisch aktiv bleiben zu können, hat sich dadurch gefestigt. Da ich damals gerade das Projekt SKYLINE EAST zu Grabe getragen habe, starteten wir direkt durch und ich bin bis heute dankbar dafür.

Welche Bedeutung hat euer Bandname?

Bitte interpretiere keine tiefsinnige Aussage in unseren Bandnamen. Ich könnte dir jetzt alles mögliche erzählen, das wäre jedoch nicht richtig. Ich denke, die meisten Bandnamen sind eher zufällig entstanden. Bei uns war es eine ganz einfache Geschichte: Erst wollten wir uns ESPERANCE nennen. Da diese Domain allerdings in Deutschland durch ein – na ja, ich sag mal – ziemlich schlüpfrigen Inhalt besetzt war, gab uns Steve Naghavi den Hinweis, wir sollten doch einen anderen Namen finden.
ESPERANCE heißt HOFFNUNG, NOVA-SPES ist lateinisch und heißt einfach NEUE HOFFNUNG. Das Dance-Projekt NOVA SPACE kam übrigens lange nach uns…

Am 26. April 1986 versetze die größte Reaktorkatastrophe der Geschichte die Menschheit in Starre. Das Reaktorunglück von Tschernobyl dient eurem Album als Kernthema. Wart ihr eigentlich sehr darüber erschrocken, dass angesichts der Katastrophe in Japan euer Album einen direkten Bezug zur Gegenwart bekommen hat?

Die Stadt Pripyat fasziniert mich seit einigen Jahren und ich wollte schon lange dieses Thema in einem Song aufgreifen, aus dem einen Song ist dann der Titel des Albums geworden, das einige Songs mit dem Thema Atomkraft enthalten sollte. Alles schien lange her und sah mittlerweile, auch für mich, nach einem zufälligen Unglück einer Weltmacht, die die Technik nicht beherrschte, aus. Während der Arbeiten am Album jedoch geschah das Unglück in FUKUSHIMA, in einem Land, das gemeinhin als das hochtechnisierteste Land der Welt gilt. Auch dort ist diese Technik also nicht beherrschbar.
Selbstverständlich hat uns das alle schockiert. Dieser Schock führte letztendlich dazu, dass wir das Album komplett umgestrickt haben. Wir haben Songs ersetzt, Texte neu geschrieben und das Layout neu gestaltet. Nun schien uns das Album noch wichtiger als je zuvor und seine Veröffentlichung als richtiger Schritt.

Worum geht es inhaltlich denn genau?

Die Songs beschäftigen sich mit den Folgen, aber auch mit den Fragen einer Atomkatastrophe. Nicht jeder Song behandelt das selbe Thema, das wäre mir sehr langweilig gewesen und auch für die Leute, die sich mit den Inhalten unserer Songs beschäftigen, wäre es eher eine Enttäuschung.
“Disappointed” stellt zum Beispiel eine mich immer beschäftigende Frage: Wie kann man immer noch einen Gott anbeten, der solche Katastrophen zulässt? “Todeszeit”“ beschreibt das erdrückende Gefühl, welches man auch heute noch haben muss, wenn man durch die Stadt Pripyat geht und “Sehnsucht” beschäftigt sich mit Menschen, die ihre Wurzeln verloren haben und nun keine Zukunft mehr sehen.

Beschäftigt ihr euch auch politisch mit dem Thema Energiewende?

Ehrlich gesagt, war ich dem Thema Energiewende gegenüber ziemlich gleichgültig. Ich glaube einzig Steffen hatte da eine etwas tiefergehende Meinung. Die Arbeiten am Album und die nun bereits jahrelange Beschäftigung mit dem Thema Pripyat hat allerdings zur Folge, dass ich hier einiges anders sehe als noch vor ein paar Jahren.
Ich bin eher vom Vorgehen unserer Regierung enttäuscht – nein maßlos verärgert. “Enttäuscht” ist das falsche Wort. Was Frau Merkel beim Thema Energiewende gezeigt hat, ist das berechenbare Spiel einer machtgeilen Frau. Erst wird der bereits eingeschlagene richtige aber unpopuläre Weg verlassen, dann, nach dem nun so nahen Unglück in FUKUSHIMA, wird er als der einzig rettende wieder aufgenommen, als hätte sie ihn initiiert, denn nun bringt er Wählerstimmen…

Welches Feedback ist denn bislang zu euch vorgedrungen?

Wir haben bislang durchweg positive Feedbacks erhalten. Erst neulich habe ich in einem Magazin gelesen, dass wir mit dem Album den Spagat zwischen Tanzbarkeit und anspruchsvoller elektronischen Musik schaffen und wir uns damit endgültig im Elektro-Segment etablieren sollten.
Das geht natürlich runter wie Öl und freut mich ganz extrem. Die ganze Arbeit, die vielen Jahre und die gesamte Energie haben wir genau für solche Momente (und natürlich die Konzerte) investiert. Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass jede Rezension eine persönliche Meinung des Schreibers darstellt, da Musik einfach eine Geschmackssache ist. Auch ein Grund für unsere Ablehnung von Musikwettbewerben.

Kann man euch demnächst irgendwo live sehen?

Am 11. November spielen wir im Leipziger Werk 2. Zusammen mit Solitary Experiments, Implant und Amnistia. Ich freue mich bereits sehr darauf, da das Leipziger Publikum immer etwas ganz besonderes ist.

Welche musikalischen Vorbilder habt ihr?

Ja, es ist abgekaut, da es wahrscheinlich jede Synthie-Band sagt, aber es ist einfach so, dass DEPECHE MODE für mich die Band schlechthin darstellt. Durch DEPECHE MODE bin ich in diese Szene gekommen. Zu sagen, sie würden mich nicht beeinflussen, wäre eine glatte Lüge.
Allerdings sind in den vielen Jahren auch weitere Einflüsse hinzugekommen. Icon Of Coil sind hier zu nennen, denen es zu verdanken ist, dass ich NOVA-SPES tanzbarer gestaltet habe, selbstverständlich AND ONE und Camouflage. Ich mag IN STRICT CONFIDENCE sehr, die für mich ein Gesamtkunstwerk darstellen. Aber auch Künstler außerhalb der Elektroszene üben einen stetigen Einfluß auf mich aus.
Steffen hatte schon immer einen sehr viel breiteren Musikgeschmack als ich, der von Green Day über Rammstein bis zu erstklassigen Produktionen der Charts reicht, Peter ist ein klassischer Depeche Mode-Fan, wie ich.
Vorbilder zu nennen fällt mir jedoch sehr schwer, reden wir lieber von Einflüssen, da man mit Vorbildern immer Gefahr läuft, in deren Schatten zu verkümmern.

Eure zuletzt gekaufte CD?

Meine zuletzt gekaufte CD war ein selbstproduziertes Album eines kubanischen Künstlers mit traditioneller kubanischer Musik. Davor habe ich mir das aktuelle Album von SOLAR FAKE gekauft.

Welche Schlagzeile über Nova-Spes würdet ihr gerne lesen?

“NOVA-SPES waren bei allen Szene-Festivals erfolgreich vertreten.”

Welche Interview Frage würdet ihr gerne beantworten, aber niemand stellt sie euch?

So eine Frage gibt es eigentlich nicht, da jedes Interview für sich interessant und vor allem spannend ist…

Vielen Dank für eure Zeit und viel Erfolg für die Zukunft. Das letzte Wort gehört euch.

Vielen, vielen Dank! Besucht uns auf unserer Homepage www.nova-spes.com.
Auch bei Facebook und Myspace sind wir selbstverständlich vertreten – wir freuen uns auch dort auf euch.
Liegt jedem Plattenhändler eures Vertrauens in den Ohren, dass er sich unser Album in sein Regal stellt und natürlich auch verkauft. Dafür danken wir euch schon jetzt!

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