Ólafur Arnalds – Festspielhaus Baden-Baden 14.11.2019

Ólafur Arnalds steht für eine neue isländische Musikergeneration, die in den Clubs so erfolgreich ist, wie in Hollywood. Schon die Besetzung seiner Live-Tournee zum aktuellen Album „re:member“ mit drei Konzertflügeln, einem Streichquartett, Synthesizern und Schlagzeug lässt auf die Vielseitigkeit des Künstlers schließen. Und der Einsatz einer neuen Software bedeutet Arnalds so viel wie der Umgang mit einem neuen Instrument. Während er die Tasten eines Flügels anschlägt, „antworten“ die anderen Klaviere wie von Geisterhand automatisch. In Baden-Baden, wo zu Franz Liszts Zeiten „Feuerorgeln“ probiert wurden und später Pierre Boulez mit Tonbandgeräten Musik machte, schließen sich mit Arnalds musikalische Kreise. Auch das ist Erinnerung.

Es ist bereits kalt und dunkel an diesem November-Abend und es fühlt sich bereits etwas isländisch an – als ich mein Zuhause verlasse, um heute mal in den Genuss zu kommen, zu Fuß zu einem Konzert zu gehen. Die roten Teppiche vor dem altehrwürdigen Festspielhaus sind auch schon ausgerollt, leider nicht ausschließlich für Ólafur Arnalds und seine Gäste – denn hier laufen schon die Vorbereitungen für die anstehende Bambi Verleihung.

Ein Konzert im Festspielhaus Baden-Baden erleben zu dürfen – ist ein Fest für alle Sinne – ob es die wunderschöne Architektur des ehemaligen Stadtbahnhofes ist, wenn man die alte Schalterhalle betritt und seine Tickets entgegennimmt, der freundliche Service des Personals und natürlich das einzigartige Klangerlebnis in der Halle selbst.

Pünktlich um 20:00 Uhr verdunkeln sich die Lichter und wir tauchen ein in eine andächtige Stille. Sanft ertönen die ersten sanften Klänge von „Icaro“ und so sanft wie die Töne lauter werden – so bahnt sich auch das Licht auf die Bühne.

Ólafur Arnalds am Piano wird heute Abend von Johanna Niederbacher am Cello, Sigrun Harpardottir an der Viola, Karl Peska an der Viola, Petur Björnsson an der Violine und Christian Tschuggnall an den Drums begleitet.

Nun werden wir vom Künstler offiziell begrüßt und erfahren, dass dies das erste Konzert für ihn in Baden-Baden ist gefolgt von einer Einladung ein „aaaaaaaaa“ zu singen mit der Erfolgsaussicht beim nächsten Song zu hören zu sein. Das Resultat klingt beeindruckend!

Wir tauchen weiter ein mit „þÚ Ert Jörðin“ vom Album „…And They Have Escaped the Weight of Darkness“ und genießen die minimalen und wunderschönen Klänge. Ich genieße die Zärtlichkeit die dieses Konzert ausstrahlt und es dauert nicht lang bis ich voll und ganz in dieser Klangreise unterwegs bin. „Only the winds“ vom 2013 erschienen Album „For now I am winter” folgt gleich anschließend, bis es mit „re:member“ Zeit für den Titelsong des aktuellen Albums wird.

Beindruckend gestaltet sich das Zusammenspiel aus Licht, Ton und Lautstärke. So möchte man ewig verweilen – bis es mit „Near light“ – das ist übrigens auch der Song mit dem ich auf den Künstler aufmerksam geworden bin – den krönenden Abschluss dieses Konzertes findet. Das war mein erstes Konzert von Ólafur Arnalds und sicher nicht mein letztes.

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