Leipzig, Pfingsten und das Wave-Gotik-Treffen nennt man schon einige Jahre in einem Atemzug. Und obwohl einige Besucher auch recht bunt gewandet daherkommen, so bleibt die Welle, welche die Stadt durchflutet, überwiegend schwarz. Bald nach Pfingsten, wenn sich diese „Schwarzen“ wieder in ihre Heimatstädte und Heimatländer begeben haben und von der schönen, aufregenden und viel zu kurzen Zeit träumen, erscheint als eine Art Rückblick traditionell das „Pfingstgeflüster“. Nunmehr zum 9. Mal. Die Einzigartigkeit dieses Treffens beruht auf der Verwurzelung der Veranstaltungen in der gesamten Stadt und der offenen Freundlichkeit der Leipziger. Die Vielzahl der Konzerte ist kaum überschaubar. Das Rahmenprogramm mit Lesungen, Vorträgen, Ausstellungen und vielem mehr ist so unterschiedlich wie die Besucher. Auf gut 90 Hochglanzseiten im DIN-A-4-Format sind Streiflichter des diesjährigen Ereignisses dargestellt.

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Enthalten sind sehr persönliche Beiträge von Musikern. Anne Clark, so „unschwarz“ und trotzdem in der Szene ein Urgestein, erklärt Leipzig ihre Liebe. Diese Stadt hinter dem Eisernen Vorhang, die nach 1989 so einladend zum Wave-Gotik-Treffen rief. Zum Jubiläum von THE FAIR SEX, die auf 30 Jahre Bestehen zurückblicken können, schildert der Kopf der Band – Myk Jung – seine stressig-aufregende Pfingst-Zeit in sehr lebendigen Worten. Besinnlich und sehr emotional klingen die Worte von Bettina Bormann (Oberer Totpunkt). Der „Zauber“ des Treffens, die Stimmung, das Heimatgefühl.

Auch diesmal wird den Besuchern viel Platz eingeräumt. Interessante Ansichten und Meinungen, eindrucksvolle Bilder. Sie sind nur ein winziger Ausschnitt der etwa 21.000 Besucher, doch stehen sie stellvertretend für die Vielfalt. Schwarz-Weiß-Fotografien würdigen die Mühe und Sorgfalt der phantasievollen Selbstdarstellung.

Im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens gab es eine Sondervorstellung der spektakulären Show „Wagner reloaded”: Apocalyptica meets Wagner. Umwerfende Technik, ungewöhnliche Inszenierung, verrückte Einfälle – sachkundig interpretiert.

Mozart (Umbra et Imago) erhebt den Zeigefinger und spricht einen Appell für den freien Geist und den freien Willen.

Unterschiedliche Ausstellungen lockten zahlreiche WGT-Besucher an. Das Pfingstgeflüster 2014 wirft den Blick auf vier davon: Überschattet durch den plötzlichen Tod des Ausnahmekünstlers H. R. Giger gestaltete sich die umfangreiche Ausstellung von Bildern, Skulpturen und Möbeln zu einer Art Gedenken. Eindrücke und Bilder erinnern an H.R. Giger. Giovanni Perna stellte sowohl auf der Galerie im Agra-Café als auch im Atelier Nord aus. Melancholische Szenerien auf historischen Grabstätten und Fotogemälde wie aus Traumsequenzen – „Totenstill“. Andere Fotografien zeigen Reliquienskelette in opulenten Schmuck aus Gold und Edelsteinen. Diese „Seltsamkeiten“ stöberte Paul Koudounaris auf und setzte sie gekonnt in Szene. Fotografien aus dem Bildband „Schon unser Heut ein Gestern ist“ von Marcus Rietzsch, die seine Faszination für den Zauber des Verfalls widerspiegeln, werden ebenfalls präsentiert.

Im Grassi-Museum für Völkerkunde fanden während der Pfingstfeiertage mehrere Führungen zum Thema Tod in den unterschiedlichsten Kulturen statt. Ein sachkundiger Beitrag mit dem Titel „Die Lebenden und die Toten“ soll einen kleinen Einblick geben.

Bei den WGT-Lesungen von Christian von Aster übertraf die Zahl der Lauschwilligen deutlich die zur Verfügung stehenden Plätze. Seine „Grufti-Glosse“ hat mittlerweile Pfingstgeflüster-Tradition. Diesmal enthüllt der Meister des Finsterwitzes das Geheimnis um die wahre Wurzel der Gothic-Bewegung. Dazu gesellen sich kritische und leidenschaftliche Worte von Thomas Manegold. Skurril und nachdenklich präsentiert sich der Text von Norman Liebold.

Pflanzen sprechen eine eigene Sprache. Nichts ist ohne Bedeutung. Ob Efeu als Symbol für Unsterblichkeit, Bäume mit hängenden Zweigen mit-trauernd oder Palmzweige als Boten aus dem Paradies. Ein Beitrag über die Symbolik von Pflanzen auf dem Südfriedhof in Leipzig.

Der schmale Grat, auf dem die Szene zwischen den vormaligen Anfeindungen durch die Gesellschaft und der zunehmenden Vereinnahmung und „Verspassung“ in der Gegenwart wandelt, wird ebenfalls thematisiert.

Und nicht zu vergessen: die Konzerte. Andreas Liem und Michael Küper steuern farbige Lichtstimmungen bei. Momentaufnahmen mitreißender Auftritte.

Erhältlich ist der Bild-Text-Band im Paperbackformat u. a. direkt beim Herausgeber über die Internetseite www.shop.t-arts.de, beim Verlag www.edition.subkultur.de und per Bestellung über den Buchhandel bzw. über einige Szeneshops.