Wer bei dem Bandnamen Reichsfeind eine beinharte Hellectro-Combo erwartet, der wird sicherlich enttäuscht. Aber Enttäuschung ist definitiv das falsche Wort, wenn man an das Debütalbum „Living In Space“ von Reichsfeind, aka Timo Revna, denkt. Überraschung oder sogar Geheimtipp wären da schon wesentlich zutreffender.

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Musikalisch bewegt sich Reichsfeind zwischen den Welten Dark Electro, Future Pop und Dark Wave. Thematisch dazu geht es, wohl ganz gut passend, um Sehnsüchte, menschliches Versagen und Nihilismus. Und dabei gibt es wahrlich Vieles zu entdecken. Los geht`s mit dem düsteren und sphärischen Titeltrack ‚Living In Space‘. Das nachdenkliche ‚Soulpaint‘ beginnt sehr ruhig und endet eher dominant. ‚Harbringer‘ wird langsam etwas dynamischer, wenngleich das Ganze immer noch sehr eingängig bleibt. Richtig hart, fast in Harsh Electro-Gefilde angesiedelt, wirkt ‚Detox‘ wie ein reinigendes Gewitter. Ein erstes großes Highlight von Reichsfeind.

Damit dürfte man auch die Clubs der Republik locker stürmen können. ‚Fill The Void‘ wird wieder ruhiger und leitet wunderbar zum sphärischen, hymnenhaften ‚Far From Home‘, einen gnadenlosen Ohrenwurm, über. Danach werden ‚Dilemma‘, ‚The Cold Spell‘ und ‚The Shape‘ ruhig, teils fast zu ruhig. Erst ‚Mountains‘ nimmt wieder Fahrt auf. ‚Carrousel‘ baut zum Schluss nochmals etwas Druck auf, während ‚You Are Not Here‘ dieses Album fulminant abrundet. Zu den zwölf Tracks gibt es danach noch vier spannende Remixe von Rob Dust, Maneater und Kayfabe Lanoise obendrauf. Reichsfeind ist etwas Besonderes: Während andere Acts versuchen rein mit Härte oder Reproduktion zu punkten, legt das Projekt das in die Waagschale, auf das es schlussendlich ankommt: Emotionen und Herzblut! Wie hat einst eine Black Metal-Band postuliert: „Musik muss bluten!“. Ja, bei Reichsfeind kann man das spüren.