„Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“, so lautet das Motto der Holländer mit dem martialischen deutschen Namen Schwarzblut. Auf ihrer Debüt-EP „Sehlenwolf“, das via Alfa Matrix erscheint, wird leider nicht ganz klar ob sie sich jetzt gerade im Krieg oder in der Liebe befinden. So variiert der Sound und auch die Voice zwischen brachial und melodisch verträumt.

Genau diese Mischung entpuppt sich beim Hören als sehr gewöhnungsbedürftig. Vor allem der klare Sprechgesang in deutscher Sprache wirkt oft sehr deplaziert bzw. platt (z.B. bei „Nähe des Geliebten“). Doch fangen wir von vorne an: „Der Abschied“ eröffnet mit harter Elektronik, während das gerade angesprochene „Nähe des Geliebten“ verträumt, pathetisch und seicht fortführt. Richtig wütend wird darauf „Muß es eine Trennung geben“. Die Elektronik zeigt sich düster und treibend, während die Voice zum verzerrten Schreigesang mutiert. Für mich der beste Song der EP. „Kontrast“ ist darauf für mich der ambivalenteste Song seit langer Zeit überhaupt. Was ist denn hier los?: Harte Industrial-Passagen werden mit Hellektro und himmlischen pathetischen Gothic-Parts verbunden. Prinzipiell gar keine schlechte Idee, nur wirken die Übergänge doch als würden zwei Platten parallel ablaufen. Doch muss ich zugeben, dass dies irgendetwas hat. Als Abschluss gibt Schwarzblut mit „Dämmrung senkte sich von oben“ noch eine mittelmäßige Hommage an Blutengel ab. Wow, was für eine musikalische Reise: Und das nur mit fünf Songs. Die Texte zu den Songs stammen im Übrigen von keinen Geringeren als den Herren Johann Wolfgang von Goethe, Johann Ludwig Tieck und Friedrich Rückert.

Schwarzblut gehen einen sehr mutigen Weg, der mit Sicherheit nicht Jedem auf Anhieb Gefallen dürfte. In einer Zeit wo sich jeder nach dem Bekannten und Beständigem sehnt, scheint dies ein fast eine hoffnungslose Mission zu sein. Auch für mich zeichnet sich mit dieser EP ein musikalisch herausforderndes Bild mit recht ambivalenten Charakter. Insgesamt komme ich aber zu folgendem Ergebnis: Der Mut von Schwarzblut sollte belohnt werden. Daher gebe ich vier Punkte und hoffe auf eine Verringerung der Schwächen beim nächsten Output.