Drei Jahre nach dem letzten Album „Icon:Koru“, gibt es neues Lauschgift der Ruhrpott Elektroniker. In den letzten drei Jahren waren die drei aber nicht untätig sondern stets live präsent. Zwischendrin gab man dann noch einen Label Wechsel bekannt. Ein Neuanfang? Ein radikaler Stilwechsel? Auf gar keinen Fall! [:SITD:] auf wandern eher auf dem schmalen Grat zwischen, vertrauten Klängen und Selbstkopie. Schon der Titeltrack ist so typisch [:SITD:] das man von einem geradezu radikalem Wiedererkennungswert sprechen muss.
Zum andern lag der Wechsel zu Scanner eigentlich nahe, da Bandmitglied Frank Labelchef ist und somit mit seiner Band nicht mehr fremdgeht. Im Ganzen hat es den Anschein dass sich das Trio wieder mehr auf ihre Anfänge besinnt und der Melodie den Vorzug vor Rhythmus und trockenen Drums gibt. Ewige Nörgler werden natürlich jetzt anmerken das den dreien vermutlich schlicht die Ideen ausgegangen sind und man daher wieder alte Klanggewänder hervorkramt. Recht machen kann man es sowieso nicht jedem. Bei den letzten beiden Alben gab es ja auch Stimmen, das sich [:SITD:] in eine falsche Richtung bewegen. Nun knüpft man wieder da an wo man mit „Coded Message: 12“ und „Bestie:Mensch“ aufgehört hatte. Im Grunde klingt Dunkelziffer tatsächlich wie eine Melange dieser beiden Alben. Wenn man bedenkt das aus dieser Zeit so einige Klassiker entstanden sind die auch heute noch einige Clubwände zum Wackeln bringen, kann das per se nicht so schlecht sein. Als Opener fungiert ein Stück, was mich spontan an Kirche erinnert. Passend dazu beschäftigt sich der Song „Dunkelziffer“ gleich in kritischer Form mit dem Kindesmissbrauch unter dem Dach der Kirchen. Klingt der Song noch geradezu typisch für [:SITD:], erzeugt das Klavier im Hintergrund eine ungewöhnliche Atmosphäre. „Memorandum“ hingegen geht glatt als Futurepop durch. Vieles klingt vertraut, „wie damals“ eben, doch man muss nur ein wenig genauer hinhören um festzustellen, dass der Ruhrpott Dreier sich dennoch weiterentwickelt hat. Es sind Kleinigkeiten die den [:SITD:] Sound angenehm erweitern. Also ein „Back To The Root inc. Future“. Ich war beim ersten Kontakt mit dem neuen Material sogar enttäuscht. Erst nach und nach wurde mir klar, das „Dunkelziffer“ ein Album ist welches gehört werden möchte und erst nach und nach sich völlig entfaltet. Das hätte man vielleicht bei dieser Band nicht unbedingt erwartet, erhöht aber den Langzeit Spaß Faktor ungemein.

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