[:SITD:] feiern ihr 20jähriges Jubiläum. Das alleine wäre ein Grund gewesen, die drei zum Interview zu bitten. Doch es steht auch neues Material in den Startlöchern. Also war der Zeitpunkt mehr als Günstig, Tom, Frank und Carsten ein paar Fragen zu stellen.

Hallo ihr drei, fangen wir doch mal ganz einfach an. Wie geht es euch?
Tom: Gut. Dir hoffentlich auch!

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20 Jahre [:SITD:]! Was bedeutet das für euch persönlich?
Tom: Freude und Dankbarkeit. Ohne die unglaubliche Unterstützung unseres Publikums würden wir heute nicht unser 20-jähriges Jubiläum feiern. An dieser Stelle an Riesendankeschön an alle Hörer und Freunde, die uns so lange die Treue gehalten haben!

Ihr feiert euer Jubiläum ja mit einem speziellen Konzert. Habt ihr da was Besonderes geplant, was ihr schon verraten könnt?
Tom: Das Jubiläumskonzert findet am Samstag, den 15.10.2016, im Kulttempel in Oberhausen statt. Wir werden eine musikalische Retrospektive mit allen Highlights aus zwei Dekaden [:SITD:] präsentieren. Außerdem stellen wir erstmalig unserem Publikum Songs von unserer neuen EP “Brother Death“ live vor. Als Special Guests des Abends werden unsere Labelkollegen von A Spell Inside mit von der Partie sein.

Frank: Neben der neuen EP wird auch jede Menge neues Merchandise anlässlich des 20-jährigen Bandjubiläums in Oberhausen erhältlich sein. Karten für das Anniversary-Konzert gibt es übrigens hier: http://www.neuwerk-music.de/tickets/.

Wenn ihr auf die 20 Jahre zurückblickt. Würdet ihr etwas anders machen wollen?
Carsten: Soviel eigentlich nicht. Wir haben 1996 mit der Musik angefangen und haben mit “Trauerland“ und “Atomic“ zunächst zwei Alben in Eigenproduktion hergestellt, die wir auf unseren Konzerten verkauft haben. Erst 2002 haben wir einen Plattenvertrag unterschrieben und die “Snuff EP“ kam dann bei Accession Records raus. In den Jahren dazwischen gab es einige Anfragen von Plattenlabels. Wir haben zum Glück nicht den Fehler gemacht und haben uns vertraglich an eines dieser Labels gebunden. Gerade am Anfang unterschreibt man als Band vielleicht irgendwelche Kontrakte, die man später bereut. Dieser große Fehler blieb uns erspart.

Was ist für euch der „beste Moment“ der Bandgeschichte?
Frank: Es gibt unzählige Momente, auf die wir gerne zurück schauen: Besonders reich an unvergesslichen Erfahrungen war sicherlich unsere erste Nordamerika-Tour, die uns mit 36 Konzerten in knapp 3 Monaten in die bekanntesten, aber auch die entlegensten Orte in den USA und Kanada führte.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Was ist denn der Tiefpunkt der Bandgeschichte?
Carsten: In erster Linie ist der Moment, in dem man seine Musik mit dem Publikum teilt, eine Sucht. Es ist auch völlig unerheblich, ob wir auf einer großen Festivalbühne stehen oder in einem kleinen Club spielen. Die Energie, die dabei entsteht, übt eine magische Faszination auf uns aus. Dafür leben wir. Das treibt uns an. Das ist das Licht. Den Schatten gibt es natürlich auch. Wenn man teilweise wochenlang von zu Hause weg ist und seine Zeit auf engsten Raum mit immer denselben Leuten im Tour-Bus verbringt, dann ist es nicht immer einfach. Da kommt es auch schon mal zu Spannungen. Und zu Hause geht das Leben ja weiter. Wir haben zum Beispiel schon Todesfälle im nahen familiären Umfeld gehabt, während wir auf Tour in den USA waren. Wir haben die Tour fortgesetzt. Dass das nicht einfach ist, kann sich wahrscheinlich jeder vorstellen. Das Licht überwiegt aber alles.

Deswegen gibt es uns immer noch und wir freuen uns nun wahnsinnig darauf, dieses Jubiläum mit allen Freunden, die sich uns verbunden fühlen, am 15.10. in Oberhausen feiern zu können.

Pünktlich zum Jubiläum im Oktober gibt es eine neue EP. Was dürfen wir da erwarten?

[:SITD:] - Brother Death EP
[:SITD:] – Brother Death EP
Carsten: Die EP trägt den Namen “Brother Death“. Der Titelsong handelt von Vergänglichkeit. In unserem Freundes- und Bekanntenkreis sind viele uns nahestehende Personen gestorben, die in einer Abhängigkeit von Medikamenten, Drogen oder Alkohol standen. Es ist ein persönliches Thema, das uns immer wieder mit Trauer erfüllt und ziemlich ratlos zurückgelassen hat. Vor einiger Zeit sahen wir dann eine Dokumentation über schwerstheroinabhängige Patienten, die über mehrere Jahre von einem Kamerateam bei ihrer Methadon-Therapie begleitet wurden. Allein in Deutschland bekommen mehr als 75.000 heroinabhängige Menschen Methadon verabreicht. Es ist ein vollsynthetisches hergestelltes Opioid mit starker schmerzstillender Wirksamkeit. Es sorgt für den Moment beim Patienten für Erleichterung. Gerät das Medikament jedoch in die falschen Hände oder wird überdosiert, ist es lebensgefährlich. “Brother Death“ beschreibt diesen Drahtseilakt zwischen Leben und Tod.

Auf der EP enthalten sind insgesamt 10 Tracks, davon 5 neue [:SITD:] Stücke (“Porcelain“, “Brother Death“, “Mundlos“, “Incendium“ und “Burial“), sowie 5 Remix-Arbeiten von befreundeten Bands, die da wären: Solar Fake, Solitary Experiments, Autodafeh, ES23 und Klangstabil. Die EP erscheint anlässlich unseres 20-jährigen Bandjubiläums als limitierte EPCD als Digipak-Edition und wird sowohl auf unseren Konzerten, als auch im Ebay-Shop unseres Labels Dark Dimensions erhältlich sein. Als digitaler Download steht die EP ab dem 14.10.2016 auf allen bekannten Musikportalen wie iTunes oder im Amazon Music Store bereit.

Gibt es schon etwas bzgl. eines neuen Albums zu vermelden?
Tom: Das Album erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2017 bei Scanner / Dark Dimensions.
Acht neue Songs sind weitestgehend fertig. Wir haben aber noch etliche Ideen, Demos und Texte, an denen wir gerade mit Hochdruck arbeiten. Am Ende dieses Prozesses wählen wir dann die Tracks aus, die für das Album in Frage kommen. Es läuft bis dato alles absolut rund. Vielleicht sogar so gut, wie es in der Vergangenheit noch nie der Fall war. Aber gerade deswegen wissen wir, dass es Dinge gibt wie Krankheiten oder technische Probleme im Studio, auf die man als Künstler keinen Einfluss hat. Außerdem ist man bei der Fertigung und Herstellung eines Albums auf externe Hilfe (Graphiker, Presswerk etc.) angewiesen. Ein Rädchen muss ins andere passen. Deswegen wäre es unseriös, wenn wir jetzt schon einen genauen Veröffentlichungstermin nennen würden, der sich aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse nicht halten lässt. Das Frühjahr 2017 ist – Stand der Dinge heute – auf jeden Fall realistisch.

Ich würde euch nicht als politische Band sehen, seid ihr denn persönlich politisch interessiert oder gar aktiv?

Carsten: Ja, sehr interessiert, aber wir sind nicht aktiv in irgendeiner Partei oder Organisation. Wir machen uns unsere eigenen Gedanken und die spiegeln sich dann auch teilweise in unseren Songs wieder. Du hast sicherlich recht, dass wir uns nicht vor irgendeinen Karren spannen lassen und wir gebetsmühlenartig immer wieder ein bestimmtes politisches Thema in den Fokus unserer Arbeit rücken. Aber wer nach unseren Meinungen sucht, findet sie auch in Songs wie “Propaganda“, “Herbsterwachen“, “Stammheim“ oder “Revolution“. Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.

Für welche Band würdet ihr gerne mal einen Remix anfertigen, bekommt aber nie die Anfrage?
Tom: Depeche Mode bekäme garantiert keine Absage…

Was ist euer Antrieb, immer wieder neue Songs zu schreiben? Woher bezieht ihr die Motivation?
Carsten: Wir verarbeiten unsere Gefühle und Emotionen in unserer Musik. Das hat teilweise einen fast schon therapeutischen Charakter. Um es ganz simpel auszudrücken: Dir geht es schlecht, Du schreibst einen Song und danach geht es Dir besser. Oder Du schaust Dir die alltäglichen Fernsehbilder an, bist schockiert und sprachlos und verarbeitest diese Gefühle in der Musik. Am Ende steht der positive, kreative Moment. Du hast etwas geschaffen und teilst das Ganze mit einer Vielzahl von Leuten.

Was wäre für [:SITD:] ein absolutes „No Go“?
Carsten: Wir sind unabhängig und frei. Wir würden uns niemals in unsere künstlerische  Freiheit reinreden lassen.

Seid ihr religiöse Menschen?
Carsten: Die Band besteht aus 3 Individuen und jeder würde die Frage wohl etwas anders beantworten. Ich für meinen Teil glaube an eine höhere Institution, die aber mit dem klassischen Gottesbild der Kirche oder einer bestimmten Religion nichts zu tun hat.

Welchen Film könnt ihr unseren Lesern empfehlen?
Tom: “The Revenant“, ein US-amerikanischer Historien-Western-Thriller des mexikanischen Regisseurs Alejandro G. Iñárritu mit Leonardo DiCaprio und Tom Hardy in den Hauptrollen.

Vielen Dank für eure Zeit. Das letzte Wort gehört euch
Tom: Wir haben zu danken. Beste Grüße an alle Uselinks-Leser. Wir sehen hoffentlich den ein oder anderen von Euch in Oberhausen!

Foto von [:SITD:]
Kategorien: Bands
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