Oliver Stones Biopic über den berühmtesten Whistleblower der Welt Edward Snwoden basiert auf der Faktenschilderung „The Snwoden Files“ von Luke Harding und dem Roman „Time of the octopus“ von Snowdens Anwalt Anatoly Kucherena. Stone macht auch gleich zu Anfang klar, dass die dargestellten Ereignisse zwar auf wahren Begebenheiten beruhen, aber dramaturgisch verdichtet und zugespitzt wurden. Das ist zwar ungemein ehrlich, gleichzeitig stellt es den Kinozuschauer vor ein Problem. Welche Handlungen sind tatsächlich so passiert und welche wurden dramatisiert? Wer den Filmemacher Oliver Stone ( Platoon, Wall Street, Natural Born Killers ) kennt, der weiß das er einen gewissen Hang zur Polemik hat. Auch durch die biographischen Parallelen zwischen Snowden und Stone ( beide meldeten sich freiwillig für einen Kriegseinsatz und wurden später desillusioniert ) war zu erwarten, dass Stone seinen Protagonisten zu einem wahren amerikanischen Helden verklärt. Das gipfelt am Ende des Films darin, dass er Edward Snowden noch einmal persönlich zu Wort kommen lässt und ihn in der Schlussszene im Sonnenlicht mit Blick ins Leere sogar ein wenig ikonisiert. Aber darüber kann man hinwegsehen, denn Snowdens Mut und Opferbereitschaft zur Aufklärung der beispiellosen Überwachung durch die NSA verdient in jedem Fall Respekt und Anerkennung.

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Oliver Stone leistet mit „Snowden“ wieder einmal einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung eines breiten Publikums und schafft es die komplexe Thematik weitgehend allgemeinverständlich darzustellen

Die Handlung hält sich weitgehend an Snowdens berufliche Laufbahn und seine Beziehung zu Lindsay Mills ( Shailene Woodley ), die politisch eher liberal eingestellt ist und somit auch einen entscheidenden Einfluss auf den zunächst eher konservativen Snowden hat. Mit Joseph Gorden-Levitt konnte der ideale Hauptdarsteller für die Rolle gefunden werden. Die ruhige, fast schon schüchterne Art Snowdens und sein Idealismus werden von ihm jederzeit glaubhaft rüber gebracht. Die stärksten Momente hat der Film, wenn die technischen Möglichkeiten zu einer totalen Überwachung in ihren beängstigenden Details dargestellt werden. Man kann davon ausgehen, dass sich einige Zuschauer nach dem Film ihre Webcam am Laptop auch zukleben werden! Und das ist auch die eigentliche Message des Films. Er rückt drei Jahre nach den Enthüllungen und in Zeiten von TTIP-Debatte und Flüchtlingskrise das Thema Datenschutz wieder in den Fokus und erfüllt somit einen wichtigen Auftrag der Aufklärung. Er schafft ein Bewusstsein und sorgt gleichzeitig dafür, dass Snowdens Beitrag dazu nicht in Vergessenheit gerät.

Handwerklich kann man „Snowden“ fast nichts Negatives nachsagen. Der hochkarätige Cast funktioniert und die Bilder beeindrucken. Lediglich in der detaillierten Erzählung gibt es vor allem in der ersten Hälfte einige Längen. Aber spätestens wenn die Daten heimlich und in bester Spionagethriller-Manier auf den USB-Stick gezogen und aus dem Hochsicherheitsquartier geschafft werden, kommt der Film auch Richtig in Fahrt. Gedreht wurde größtenteils in den Bavaria-Filmstudios in München, da amerikanische Studios das Drehbuch ablehnten.

Fazit: Oliver Stone leistet mit „Snowden“ wieder einmal einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung eines breiten Publikums und schafft es die komplexe Thematik weitgehend allgemeinverständlich darzustellen. Trotz einiger Längen bekommt man eine gut gespielte und handwerklich starke Biographie zu sehen. Wem die auf Hollywood Standards angepasst Handlung nicht authentisch genug ist, der sollte sich aber besser die oscarprämierte Dokumentation „Citizenfour“ von Laura Poitras ansehen.[review]