Solitary Experiments im Interview

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Hallo Dennis, hallo Micha, wie geht es euch heute, ihr habt hier gerade auf dem Amphi Festival einen Gig gespielt. Wie war es?
Es war wirklich sehr heiß. Hat Spaß gemacht natürlich und es war wieder ein tolles Publikum, soweit wir das von der Bühne beobachten konnten, wir hatten natürlich auch ein bisschen Glück mit dem Wetter, ich glaube wir waren die Band, die die regenfreie Zeit erwischt hatten. Es gab nur leichten Nieselregen und das kam uns zu Gute.

Auf jeden Fall einen großen Dank, an die Leute die wirklich schon um 12:00 Uhr hier waren. Also quasi noch vor dem Kaffee trinken und mit uns Party gemacht haben.

Was mögt ihr an Festivalgigs und was mögt ihr gar nicht?

Also ich mag an Festivalgigs, den Aspekt das wir natürlich bei so einer Open Air Bühne viel mehr Leute erreichen, als das bei einem Clubgig möglich wäre, weil da die Leute ja wegen uns kommen. Hier hat man die Möglichkeit, Menschen die einen nicht kennen, die aber die Musik dann gut finden, als neue Fans zu gewinnen.
Das ist das coole. Weniger cool ist meiner Meinung nach, das Festival Gigs extrem hektisch sind. Man hat keinen vernünftigen Soundcheck, die Umbaupausen sind sehr eng und man muss auf und abbauen, das ist für die Bands richtig Hetze. Davon bekommt der Zuschauer nichts mit. Und wenn dann bei Sommer Festivals, so ein Wetter dazukommt. Wir haben heute richtig schwüles Wetter mit Regen, es hätten aber auch 30 Grad im Schatten sein können. Es wäre alles unangenehm gewesen, weil bei jeder Bewegung schwitzt man. Man merkt das auch beim Publikum, gerade wenn man so früh spielt. Man versucht die Leute zu animieren, aber die sagen sich auch: Wir stehen hier heute noch 8 bis 9 Stunden und dafür war die Stimmung sogar sehr gut. Aber man merkt es selber, das man konditionell da schnell an seine Grenzen kommt.

Von 1994 bis heute. Solitary Experiments bestehen schon sehr lange. Was ist das seltsamste was euch bisher passiert ist? Das schönste oder schlimmste? Eure Band bringe ich immer mit Ammoniak in Verbindung, wo man nach Krefeld fährt und dann wegen eines Unfalls nichts sieht.

Das wäre eine Antwort gewesen, die Steve hätte geben können, wenn er nicht mit seinem Handy beschäftigt wäre. Wir haben gerade überlegt was für schlimme Situationen wir in 20 Jahren hatten und er hat sofort gesagt: Ammoniak Unfall. Das war in Krefeld und am Tag darauf sind wir nach Russland geflogen um in Moskau zu spielen. In Krefeld konnten wir damals nicht spielen und haben aufgrund des frühen Fluges, den ganzen Abend im Hotel verbracht. Wir haben dann ca. ein halbes Jahr später, den Gig nachgeholt. Da steckt man halt nicht drin und Sicherheit geht natürlich vor, so traurig das für den Veranstalter ist, der damit ja nicht zu tun hatte. Der Unfall im Nachbargebäude war ja der Auslöser für die Sperrung des Geländes. Ansonsten blieben wir aber bisher von Pannen verschont.

Gibt es irgendwas, was ihr bereut?

Nö!
Das was wir gemacht haben, die Veränderungen und Entscheidungen die wir getroffen haben, die Reisen und Veröffentlichungen sind alles Dinge zu denen wir stehen. Auch wenn heute einiges anders klingt oder abläuft. Die einzige Sache die wir vielleicht anderen mit auf den Weg geben können, die vorhaben Musik zu machen und eine Karriere zu starten ist, dass wir am Anfang zu Naiv waren und jeden Scheiß geglaubt haben, den Labels, Manager und Agenturen uns erzählt haben.
Da sind wir ein, zweimal ins Fettnäpfchen getreten. Ich möchte da gar nicht ins Detail gehen. Es geht dabei um Entscheidungen wie: Welches Plattenlabel? Welchen Weg man geht? Wir hatten einen schwierigeren Weg als andere Electrobands, deren Karriere schneller oder steiler verlief. Auf Grund von Fehlentscheidungen unsererseits. Wir waren jung und naiv aber das ist halt „Learning by doing“ und diesen Entwicklungsprozess, den haben wir halt durch. Nachher ist man schlauer, aber man lernt auch nach über 20 Jahren immer wieder was dazu.

Gerade hat ihr die Live DVD „In Motion“ veröffentlicht. Was ist das besondere, was erwarten die Fans?

„In Motion“ ist ja unser Jubiläumskonzert, was jetzt mittlerweile auch schon wieder 2 Jahre zurückliegt. Der Hintergrund war, dieses besondere Konzert in Berlin, mit mehreren Kameras festzuhalten. Der Aufwand der Produktion hat sich aber dann sehr hingezogen, dass die DVD erst jetzt veröffentlicht wurde. Speziell für die Leute die da waren, als Andenken oder eben nicht dabei sein konnten. Die DVD ist glaube ich, bereits ausverkauft.
Du hast es schon ein bisschen angesprochen. Wer hat die DVD produziert, wer hat die geschnitten? Mit wem habt ihr da zusammengearbeitet?

Bei uns ist das eigentlich so. Wir verdienen ja nicht großartig Geld mit der Musik. Dieses Projekt fing mit einer kleinen Idee an und eigentlich wollten wir nur für uns selber als Erinnerung, den Abend mit einer Kamera filmen, um uns das dann anschauen zu können. Aus dieser Idee wurde immer mehr, indem wir dann Kontakt zu einem Kamerateam hatten, die eigentlich als Freunde von uns eingeladen waren. Sie hatten die Best off Geschichte für die Solitary Box gemacht.
Aufgrund der Idee es dann doch ein bisschen professioneller zu machen, wurden noch mehr Leute mit ins Boot geholt und wir haben z.B. einen Kamerakran gemietet. Alles lief aber eben nur über Kontakte. Also keine riesen Firma, sondern eine gemeinsame Arbeit von vielen Freunden und Kontakten. Die so, wie wir Musik als Hobby haben, sich eben mit Filmen beschäftigen. Es haben Leute zusammengearbeitet, die sich vorher noch nie gesehen hatten. Es gibt da Firmen bei denen wir uns auf der DVD auch namentlich bedankt haben, die uns Kameras und so weiter geliehen haben.

Am Ende haben es Leute zusammenschnitten, die nicht davon leben müssen, sondern die alle einer „normalen“ Arbeit nachgehen. Wir als Band haben dann noch in einem Studio einen aufwändigen 5.1 Soundmix anfertigen lassen. Für diesen Mix haben Fans von uns Bootlegs zur Verfügung gestellt, die natürlich sehr erstaunt waren als wir danach gefragt haben. Aber nur so konnten wir diesen Raumklang hinbekommen. Wir haben praktisch aus Scheiße Gold gemacht, so das man vermuten kann, dass dahinter eine riesen Firma steckt.

Ok. Eine völlig andere Frage: Von wem würdet ihr gerne mal eure Song remixen lassen?

Also ich finde, wir haben über die Jahre schon viele Remixe von anderen Künstlern gehabt und da sind eigentlich auch alle Wunschremixer bei gewesen. Größtenteils haben wir eigentlich von jedem einen Remix bekomme, den wir angefragt haben. Wir haben für die Jubiläums- Box auch einen Mesh Remix bekommen. Da sind wir stolz drauf das, dass geklappt hat.
Es gibt bestimmt noch so ein, zwei Kandidaten. Vielleicht ein Assemblage23 Mix oder ein Front 242 Remix wäre die Krönung. Man muss halt sehen ob es passt, wir wollen das ja auch nicht erzwingen.

Das nächste Thema ist Facebook. Auf Facebook bekommt man ja sofort Feedback der Fans. Meist sind es aber ja angriffe. Wie geht ihr mit solcher, persönlicher Kritik um?

Ich muss ehrlich sagen, wir bleiben davon verschont. Klar es gibt immer Leute die sagen: früher war alles geiler oder es gefällt mir nicht was ihr da jetzt macht. Aber das gehört dazu.
Veränderungen gehören dazu, man kann ja nicht 20 Jahre auf der Stelle treten. Musikalisch entwickelt man sich weiter und Dennis entwickelt sich stimmlich weiter, das ist der Lauf der Zeit.
Das trägt sicher nicht jeder Fan mit, aber solange das Verhältnis zwischen neuen Fans und Fans die man durch Veränderungen verliert gut ist, macht man alles richtig.

Große Kampagnen oder einen Shitstorm habe ich bei uns noch nicht mitbekommen. Es sind vereinzelte Einträge und jeder hat eben seine Meinung und kann diese äußern. Wir würden uns aber erstmal zurückhalten, denn ein soziales Netzwerk ist nicht der richtige Ort für eine vernünftige Diskussion.

Dennis, du hast es gerade schon angesprochen. Auch ihr habt negative Erfahrungen mit der deutschen Musikindustrie gemacht. Was würdest du ändern, wenn du eine Woche das Sagen in der Musikindustrie hättest?

Da ich mich damit überhaupt nicht beschäftige, kann ich dazu überhaupt nichts sagen. Diese ganze Hierarchie und wie diese Industrie überhaupt funktioniert ist mir fremd und ich wüsste nicht was man besser machen kann. Das ist wirklich eine schwierige Frage. Das Konsumverhalten hat sich ja komplett verändert und ob es den ultimativen Plan gibt. Der Wert der Musik der Musik leidet ja. Es gibt Leute die holen sich für 5 € bei Starbucks ein Getränk aber schaffen es nicht Musik legal zu downloaden. Wir als Künstler können da gar nichts machen, und würden auch der Musik Industrie nie vorschreiben was sie tun haben. Das Konsumverhalten kann auch die Musikindustrie nicht verändern. Es hat sich leider so entwickelt das gewisse Dinge, als kostenfreies, sofort verfügbares Gut angesehen werden.
Wie seht ihr denn das Internet? Chance oder Gefahr für euch als Künstler? Stichwort: Illegale Downloads.

Man kann das sowieso nicht eindämmen. Man kann punktuell Links sperren oder Firmen beauftragen, die versuchen es zu unterbinden. Die Frage ist ja ob Leute die sich etwas herunterladen, das überhaupt kaufen würden. Es heißt ja nicht, dass 30.000 illegale Download gleich 30.000 verlorene Verkäufe sind. Das ist ja bei weitem nicht der Fall. Viele Leute würde ein Album gar nicht kaufen, die nehmen es einfach so mit. Da wären wir wieder beim Wert der Musik.
Aber es tut der Industrie schon weh und irgendwann merken die Leute dann, dass es weniger neue Musik gibt. Künstler keine Lust mehr haben oder Bankrott sind und spätestens dann merkt der ein oder andere vielleicht, dass er seinen Teil dazu beigetragen hat, dass die Entwicklung so schlecht läuft. Man sieht es auch bei den Konzerten. Immer weniger Leute kommen zu Konzerten, geben ihr Geld für was Anderes aus und haben das Geld für die Eintrittskarte dann nicht. Das beste Beispiel, was ich selber erlebt habe, war ein Festival in Leipzig, wo viele Leute draußen im Park waren und sich das von dort aus angehört haben, so wie wir jetzt hier gerade (im Hintergrund ist Musik von der Mainstage zu vernehmen).
Sowas ist natürlich traurig. Die Leute möchten immer weniger für Konzerte zahlen und wenn dann nur für die großen Sachen wie das WGT, Amphi oder Mera Luna halt Es gibt immer weniger Clubkonzerte, weil die motivierten kleinen Veranstalter ins Gras beißen und Shows aufgrund geringer Kartenverkäufe absagen müssen. Irgendwann gibt es dann nur noch die großen Festivals, aber dann darf auch kein Jammern, wenn dort jedes Jahr die gleichen großen Bands spielen. Das Gejammer ist ja immer riesig: Immer dieselben, immer die gleichen! Aber ich wette das Gejammer wäre größer wenn diese Bands nicht mehr auftreten würden.

Welche 3 Alben würdet ihr auf eine einsame Insel mitnehmen?

Das ist schwierig. Ein Depeche Mode Album auf jeden Fall. Music for the Masses, würde ich mal spontan sagen. Also ich habe gut 1000 CD`s zuhause, weil ich auch als DJ aktiv bin und für mich ist Musik so wichtig, dass ich mich jetzt nicht auf 3 Alben beschränken kann.

Ok. Welchen Film könnt ihr zurzeit empfehlen?

Oh, ich habe kaum Zeit um Filme, Serien oder TV zu sehen. Meistens sitze ich im Studio und schreibe Songs. Nebenbei mache ich noch Fotographie oder meine Kids. Also das ist so gar nicht mein Fall.

Also ich habe mal Urlaub und Zeit und schaue gerade auf Netzflix „Stranger Things“. War sehr interessant und letzten bei einem Freund habe ich auf Blue-Ray „Oblivion“ gesehen. Den fand ich richtig gut, ist aber auch nicht mehr so neu.

Stellt euch vor ihr habt morgen die Chance, Donald Trump zu treffen. Welche Themen würdet ihr mit dem amerikanischen Präsidentschaftskandidaten besprechen wollen?

Gar nichts. Mit dem kann man nicht vernünftig reden. Das ist Hopfen und Malz verloren.
Ok, dann wird es jetzt Zeit für euer Schlusswort

Ja, wir bedanken uns bei den Hörern. Es bleibt Spannend. Wir sind froh das es immer noch Leute gibt die zu unseren Konzerten kommen und unsere Musik kaufen. Vergesst nicht wir machen das nur für euch! Wir bleiben am Ball und sind fleißig am Komponieren, so das in absehbarer Zeit auch ein neues Album kommt.

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