Superikone im Interview

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Malte alias Superikone veröffentlicht im April das Album “Paläste aus Katzengold”. Wir nutzten die Gelgenheit mit Ihm über das Album zu sprechen.

Was bedeutet „Superikone“ und wie ist dieser Name entstanden?

Eine SUPERIKONE steht über den Dingen, weiss zu gefallen und hat irgendwie Vorbildcharakter. Sinnbildlich steht SUPERIKONE für bombastische Refrains und dem Spaß am deutschprachigen Elektro´n´Roll. Das lebe ich vor allem auf der Bühne aus. Und da ich sonst auch leise und zurückhaltend sein kann, habe ich bei der Namensgebung keinen Hehl daraus gemacht, wie geil ich diese Mischung aus NDW, Weiberelectro und Gothic finde.

Inhaltlich auffällig in Deinem neuen Werk ist die Präsenz politischer Themen, Gedanken und Inhalten. Welche Absicht verfolgst du mit der Thematisierung solch schwerer, ernsterer und komplexerer Hintergründe.

Das sind ja letztlich die Themen die uns alle betreffen, vom Privaten bis zur globalen Politik. Viele Menschen finden schwer Zugang zu politischen Themen oder kennen sie nur in Form flacher Polemik. Ich versuche meine Gefühle und Gedanken dazu in lyrische Form zu fassen und musikalisch zu interpretieren. In Zeiten, wo es um die Verteilung politischer Posten versus volksnaher Politik geht, sollte sich hierzu jeder seine eigenen Gedanken machen. Und es ist nicht schwer Rückschlüsse zu ziehen, was “Macht” mit Menschen tut oder worin Klassenunterschiede irgendwann enden…

Im April erscheint Dein neues Album “Paläste aus Katzengold”. Wie interpretierst du diesen ungewöhnlichen Albumtitel?

Ein übergreifendes Thema meines neuen Albums ist die Auseinandersetzung mit „Werten“: lohnt es sich, sich ein Leben lang „krumm zu machen“ für z.B. ein Eigenheim, das eigentlich der Bank gehört oder eine neue Karre, mit der man genauso im Stau steht. Warum lassen wir es zu, dass auch die letzten städtischen Grünflächen mit Spekulationsobjekten bebaut werden und dadurch die Mieten ins unermessliche steigen? Ich frage mich, was davon zurückbleibt, was Bestand hat? Ich meine, dass viele Menschen Dinge nicht für ihr Seelenwohl konsumieren, sondern um vermeintlich ihren Status zu erhöhen. Letzten Endes halte ich das für falsch und sage genau das mit dem Titel „Paläste aus Katzengold“.

Wo siehst du die Unterschiede zwischen den Vorgängern „Energie” und dem Mini-Album “Zuckervater”? Hat sich an deiner Arbeitsweise irgendetwas geändert?

Meine Arbeitsweise hat sich in den letzten Jahren zwar dahingehend verändert, dass ich Software-Instrumente nicht mehr komplett ablehne, aber im Grunde ist vieles sehr ähnlich geblieben: es gibt ein Thema, das mich interessiert, also schreibe ich ein Stück darüber. Ich spiele an den Synths und habe irgendwann eine Hookline gefunden, die mich nicht mehr loslässt. Das war bei der „Energie – Edition 2015“ bereits sehr ähnlich. „Zuckervater“ hingegen ist ja als Single gestartet und wurde dann zu einem Mini-Album. Bei meinem aktuellen Longplayer „Paläste aus Katzengold“ habe ich es gewagt, noch viel freier zu arbeiten, war weniger eingeschränkt im Kopf. Ich dachte, dass alles, was passiert und klingt, auch klingen und passieren soll. Daher ist mir die Mischung der Stücke auch so gut gelungen.

Was denkst Du, was die Menschen an Deiner Musik am meisten berührt?

Ich hoffe, dass sie sich in meinen Texten finden, und diese Ihnen ebenfalls aus der Seele sprechen. Und dass sie mögen, wie Text und Melodie zusammenfinden. Und die Melodien vielleicht im Ohr hängen bleiben. Ich würde mich freuen, wenn die Stimmung sie erreicht und der „Synthpop“-Faktor sie zum Tanzen bringt. Und ich denke, dass sie sich bei unseren Konzerten gut unterhalten fühlen. …zumindest hat das immer den Anschein.

Musikalisch hat Dein neues Album “Paläste aus Katzengold” durchaus das Potenzial, Superikone vom Szenetipp in die erste Liga des Electropop zu befördern. Marketingstrategisch sieht die Sache leider ein Wenig anders aus. Ist dieser Weg ohne die großen Budgets aussichtslos und wie wichtig ist dir kommerzieller Erfolg?

Popstar zu sein ist nicht mein Ziel. Dafür brauchst du in erster Linie Kohle, eben diese größeren Budgets. Kaufen kann man alles. Und dann? Das wäre ja genau der Status, den ich in meinen vorangegangen Sätzen kritisiere. Ich habe die Maschinerie in meinem „ersten musikalischen Leben“ durchlaufen und sie reizt mich nicht. Ich mache gern Musik und zwar so, wie sie mir gefällt. Wenn das ankommt, freue ich mich. Aber ich würde mich für den Erfolg verbiegen. Ehrlich und geerdet die Leute zu erreichen, das finde ich spannend. Aber ich werde auch kein neues „Reinheitsgebot“ gegen den Kommerz erfinden. Ich stehe hinter dem was ich mache, konsequent und wahrhaftig.
Meines Erachtens hat sich die Musiklandschaft auch wieder verändert: die vielen „gemachten Sternchen“ interessieren die Leute nicht nachhaltig. DSDS hat immer schlechtere Quoten, andere overhypte Künstler haben keinerlei Bestand über ihr Debut hinaus. Jeder (wirklich jeder!) benutzt dieselben langweiligen Soundpresets und klingt dadurch beliebig. Alles wird austauschbar, wird am Ende weggestreamt und wegkonsumiert. Das läuft sich tot und die Fans merken das. Wir tun im Moment viel, um das neue Album zu präsentieren, damit möglichst viele Leute selber entscheiden können, wie sie es finden. Als kleines Label berappen wir quasi alles aus der Bandkasse oder der leeren Hosentasche. That’s Rock’n’Roll wie man so schön sagt. Und authentisch. Vielleicht ist es genau das, was die Menschen anspricht.
SUPERIKONE wird diesen Weg weitergehen…. mal sehen wo die Reise hingeht.

Ganz anderes Thema: Was würdest Du ändern, wenn Du eine Woche das Sagen in der deutschen Musikindustrie hättest?

Stifte fallen lassen! Los, ihr AR’s, PM’s, CEO’s und andere, geht auf die Festivals, macht Liebe im Zelt und schüttet euch Bier in den Kopf. Und zuhause schnappt ihr euch endlich die Instrumente, die ihr als Jugendliche im Keller vergessen habt, und macht wieder Musik.

Gibt es Musik, die du gern hörst, und von der Superikone beeinflusst wird?

Ich bin geprägt von Waverträumen der 80er Jahre und der Dadaistischen NDW-Zeit. Das hinterlässt sicherlich Spuren. Auch, dass ich in den späten 90er Jahren meine Liebe zu melodiösem Synthpop und Weiberelectro entdeckt habe. Aktuell höre ich sehr breit gefächert von Mainstream a la Kraftklub über Szene-Mainstream a la VNV bis hin zu Sachen, die kein Schwein kennt. Direkte Vorbilder kann ich Dir allerdings keine nennen, was mir dann glücklicherweise auch “die musikalische Schublade” erspart.

Wie sehen Deine mittelfristigen Zukunftspläne aus? Plant ihr eine weitere Auskopplung?

Mit der Single „Paläste aus Katzengold“ und dem Mini-Album „Zuckervater“ haben wir ja schon viel für unser Album getan. Jetzt kümmern wir uns erst einmal ganz liebevoll auch live um unseren Longplayer und spielen 2017 z.B. auf dem Wave-Gothic-Treffen in Leipzig oder auf dem Darkrock Festival in Eygelshoven. Für die zweite Jahreshälfte liebäugeln wir mit dem Release der Single „Traenen“, ein Stück das bereits 1997 das Licht der Welt erblickte und sich damals als Samplerbeitrag zum Underground-Clubhit mauserte. Da gilt es natürlich das 20-jährige Jubiläum gebührend zu zelebrieren…
Mehr zu unseren Plänen findet Ihr immer aktuell auf www.superikone.de und spannendes zum Hören auf www.soundclound.com/superikone!

Ein letztes Wort zum Schluss?

Danke für euer Interesse! Bleibt lüstern. Superikone liebt euch.

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