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T2 Trainspotting

T2 Trainspotting
T2 Trainspotting

Als „Trainspotting – Neue Helden“ 1996 ins Kino kam, schuf er in kürzester Zeit einen derartigen Kultstatus um sich, dass man sich heute, über zwanzig Jahre später, immer noch an die Schlüsselszenen erinnert, als ob sie Teil des eigenen Lebens sein. Ob es nun Rentons Tauchgang in die „beschissenste Toilette Schottlands“ ist, das tote Baby an der Decke während des kalten Entzuges oder Begbies brutale Masserattacken auf unschuldige Bar-Besucher. Trainspotting war mit seinem Tempo, seiner ungefilterten Darstellung und knalligen Bildern zweifellos ein Produkt des 90er Jahre Lifestyles. Man erinnert sich an den Soundtrack. Man erinnert sich an die skurillen Figuren. Man erinnert sich an „Choose Life“ oder in der deutschen Synchronisation „Sag ja zum Leben“. Was in der Erinnerung allerdings verblasst, ist die Tatsache, dass Trainspotting seinerzeit auch ein knallhartes Drama über die Heroin-Sucht war und über junge Menschen, die eben nicht „ja“ zum Leben gesagt haben. Es war ein Film über Männer, die am Leben gescheitert sind.

Nun sind zwei Jahrzehnte ins Land gegangen und die Erinnerung an all die Dramen und Schicksale sind verblasst und was bleibt sind bunte, verzerrte Erinnerungen. Das weiß auch Regisseur Danny Boyle. So versucht er in seiner Fortsetzung auch gar nicht mehr dieses Drama weiter zu thematisieren. Er schafft mit „T2 Trainspotting“ eine Gratwanderung zwischen der Erwartungshaltung der alten Fans, die sich wieder einen satten Bilderrausch, mit bizarren Episoden und einem mitreißenden Soundtrack wünschen und einem nachdenklichen Film über die Vergangenheit und ihre Auswirkungen in der Gegenwart.

Renton ( Ewen McGregor ) hatte im ersten Teil seine Freunde übel abgezockt. Er ist mit 16.000 Pfund aus einem Heroin-Deal abgehauen und hat sich nach Amsterdam abgesetzt. Nach 20 Jahren kehrt er aufgrund des Todes seiner Mutter wieder zurück. Natürlich läuft er auch seinen alten Kumpels Spud ( Ewen Bremner ) und Sick Boy ( Jonny Lee Miller ) wieder über den Weg. Da Renton in seinem neuen Leben keine Perspektive mehr sieht, entschließt er sich zusammen mit Sick Boy, der jetzt Simon genannt werden möchte, ein Sauna-Bordell zu eröffnen. Unterstützung bekommen sie dabei von der jungen bulgarischen Prostituierten Veronika ( Anjela Nedyalkova ). Problematisch wird es für Renton allerdings als Begbie ( Robert Carlyle ) aus dem Knast ausbricht. Der sinnt immer noch auf Rache für die Abzocke und hat von seiner gewalttätigem Energie nicht das geringste eingebüßt.

T2 wirkt insgesamt nicht mehr ganz so schonungslos wie sein Vorgänger. Trotzdem schwillt die ganze Zeit eine gewisses Trainspotting-Feeling unter der Oberfläche. Sei es durch punktuell eingestreute Original-Ausschnitte, kurz angedeutete Sound-Schnipsel des 96er Soundtracks oder einfach durch die Tatsache, dass nahezu der komplette Cast des Vorgängers wieder mit an Bord ist. Auch der Drehbuch-Autor John Hodge konnte erneut gewonnen werden. Die Story basiert lose auf dem „Trainspotting“ Nachfolgeroman „Porno“ von Irvine Welsh, der selber auch wieder die Rolle des Mikey Forrester übernommen hat.

Der Zuschauer ist mit den Protagonisten gealtert und so drängt sich auch permanent die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit auf. In einem der Schlüsselsätze des Films sagt Simon zu Renton: „Du bist ein Tourist in deiner eigenen Jugend“. Das ist die Quintessenz des gesamten Films. Es ist ein Film über das Älterwerden. Bruchstückhafte Erinnerungen und ein Feeling von Nostalgie werden mit der Gegenwart des Jahres 2017 vermischt. Es ist fast wie eine Meditation über die eigene Vergangenheit, über alte Freundschaften und über das nach Hause kommen. Trotzdem wirkt T2 ausgesprochen modern und schafft wieder einen atemlosen Bilderrausch, der gekonnt mit einem mitreißenden Soundtrack einhergeht. Dabei spielen die Drogen diesmal nur eine Nebenrolle. Der Film ist eine zum Teil selbstverliebte Hommage an seinen Vorgänger und schafft es trotzdem ein eigenes, zeitgemäßes Feeling rüber zu bringen. Auch diesmal gelingen Danny Boyle wieder denkwürdige und urkomische Einzelszenen, wie z.B. eine vollkommen unvorbereitete Gesangsdarbietung oder die Begegnung zweier alter „Freunde“ auf einer Herrentoilette.

Fazit: T2 Trainspotting ist die gelungene Anknüpfung an einen Kult-Film, der sich nicht in seiner Nostalgie verliert. Es ist eine Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit, die gleichzeitig durch gekonnte Weiterentwicklung als zeitgemäße und ungemein unterhaltsame Fortsetzung funktioniert.

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