[tabby title=”Kritik”]

Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn, der mit seinem Meisterwerk „Drive“ 2011 den internationalen Durchbruch schaffte, inszeniert mit seinem neuen Hochglanz Horror-Thriller „The Neon Demon“ nicht einfach nur einen Film, sondern vor allem auch sich selbst. Es ist sein Drehbuch, seine Regie, seine Produktion und es ist vor allem sein ganz eigener unverkennbarer Stil. Das Markenzeichen ist die Visualisierung starker Farbkontraste im Neonlicht, die nach eigenen Angaben auf seine Farbenblindheit und die damit verbundene Unfähigkeit mittlere Farbspektren zu erkennen zurückzuführen sind. Das was er bei „Drive“ und seinem Rache-Thriller „Only god forgives“ nur andeuteten konnte, führt er nun konsequent fort. So wirkt „The Neon Demon“ auch oft wie ein Werbespot oder ein Musik-Videoclip. Die Handlung ist auch schnell erzählt.

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Die junge, hübsche Unschuld vom Lande Jesse ( Elle Fanning ) ist gerade nach Los Angeles gezogen und macht als Model schnell von sich reden. Ihre natürliche Schönheit ist der künstlichen ihrer Konkurrentinnen Sarah ( Abbey Lee ) und Gigi ( Bella Heathcote ) natürlich ein Dorn im Auge. Nachdem Jesse einen Vertrag bei einer Modelagentur unterschreibt wird sie schnell zum Objekt der Begierde. Ob für den stets schlecht gelaunten Hotelbesitzer Hank ( Keanu Reeves ), den Star-Fotografen Jack ( Desmond Harrington ) oder der Make-Up Assistentin Ruby ( Jena Malone ) – ihrer Schönheit kann sich niemand entziehen und das wird ihr schließlich zum Verhängnis.

Es ist eine oberflächliche Welt voller Neid, Missgunst, sexueller Begierde, Erniedrigung und dem Ringen nach Anerkennung, die hier gezeigt wird. Dazu passend wird auch eine oberflächliche Gestaltung in Hochglanz Optik gewählt und der großartige, pulsierende Electro-Soundtrack von Cliff Martinez unterstreicht diesen Eindruck. Es sind schöne Bilder die der Zuschauer serviert bekommt. Umso grotesker wirkt die Hässlichkeit der Protagonisten, die im Laufe der Handlung immer mehr zum Vorschein kommt und sich am Ende sogar im Ekel Bahn bricht. Durch die stellenweise selbstverliebte Inszenierung des NWR bleibt dabei nicht viel Raum für Charakterbildung. Die spärlichen Dialoge lassen auch kaum Möglichkeiten dazu. Es scheint eher so, als ob die Figuren alle merkwürdig leblos auftreten, fast wie leere Hüllen und völlig austauschbar. Der Film genügt sich selbst. Das ist seine Schwäche und Stärke zugleich. Das menschenverachtende System der Modewelt LA´s wird aber gut herausgearbeitet. Es ist aber keine Kritik mit der Moralkeule, sondern eher eine subtile und die wird durch die wuchtige Inszenierung fast schon verwässert dargestellt. In einer Schlüsselszene sagt der große Modeschöpfer zu Jesse´s Freund „Beauty isn´t everthing, it´s the only thing“ – das gilt dann wohl auch für „The Neon Demon“

Fazit: Ein visuell beeindruckender Horror-Thriller mit einem packenden Soundtrack ( nicht nur für Electro-Fans ), der deutlich die Handschrift seines Schöpfers trägt, aber stellenweise zu selbstverliebt daherkommt. Die Oberflächlichkeit, die er eigentlich kritisiert wird nicht bloßgestellt, sondern eher zur Schau stellt. Wer sich darauf bewusst einlassen und die Bilder genießen kann, der wird gut unterhalten werden.

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